7. Januar 2019 Philipp Markus Wiedmaier Lesezeit: 10 Minuten

Was ist ein Schleudertrauma?

Bei einem Schleudertrauma kommt es zu einer abrupten Überstreckung des Kopfes bzw. der Halswirbelsäule (HWS). Dies passiert oft bei einem Autounfall, insbesondere bei einem Auffahrunfall, bei denen ein Auto auf das andere auffährt und der Kopf des Unfallopfers dann stark beschleunigt wird.

Eine typische Situation ist die folgende:

Typischer Unfall mit Schleudertrauma: Eine junge Frau fährt mit 50 km/h auf eine Ampel zu, welche von gelb auf rot umschaltet. Sie bremst ab, aber das dahinterfahrende Auto geht davon aus, dass das Auto noch weiter fährt, da die Ampel ja noch gelb war, bemerkt dies zu spät und fährt mit 50 km/h auf das Auto auf. Die HWS der Frau wird überstreckt, es kommt zu einem HWS Schleudertrauma. Bei der Frau setzen Übelkeit, Schwindel (Drehschwindel), Kopfschmerzen, Benommenheit und Nackenschmerzen ein. Sie muss sich übergeben. Ein Krankenwagen wird gerufen und sie wird in die zentrale Notaufnahme gebracht. Dort werden Röntgenaufnahmen und Untersuchungen durchgeführt. Eine Steilstellung der HWS ist zu erkennen aber glücklicherweise keine Anzeichen für eine Fraktur der HWS. Eingeschränkte Beweglichkeit in Rotation sowie Druckstellen über der gesamten HWS. Die Frau wird zur Überwachung (innere Blutungen etc.) noch 2 Tage stationär aufgenommen und es werden Schmerzmittel verabreicht. Da sich keine inneren Blutungen ergeben haben wird sie mit der Diagnose HWS-Schleudertraume und Commotio cerebri (Gehirnerschütterung) entlassen. Als Therapie wird Reizabschirmung für die nächsten Tage sowie Schmerzmittel bei Bedarf empfohlen. Der Hausarzt schreibt die Patientin noch eine weitere Woche krank. Danach soll sie wieder arbeitsfähig sein. Sie geht arbeiten, leidet aber immer noch an den durch das Schleudertrauma bedingten Symptomen.

Welche Symptome hat man oft nach einem Schleudertrauma?

HWS Schleudertrauma Schwindel

HWS Schleudertrauma: Schwindel, Nackenschmerzen, Übelkeit & Kopfschmerzen

Die Symptome bei einem Schleudertrauma setzen oft sofort bis 72 Stunden nach dem Unfall ein. Typisch sind:

  • Nackenschmerzen mit eingeschränkter Kopfbeweglichkeit
  • Drehschwindel und Gangunsicherheit
  • Kopfschmerzen, insbesondere auch Brennen im Hinterkopf
  • Übelkeit
  • Erbrechen
  • Benommenheit
  • manchmal Bewusstlosigkeit
  • Verwirrtheit
  • Sehstörungen
  • Schweregefühl des Kopf
  • Kieferschmerzen bzw. Kiefersperre
  • Einschlafende Arme und Hände, teilweise Kribbeln & Taubheit
  • starkes Erschöpfungsgefühl und Müdigkeit

Wie lange halten die Symptome nach einem Schleudertrauma an?

Dies ist sehr unterschiedlich und wird sehr kontrovers diskutiert. Häufig klingen die Symptome ohne weitere Behandlung nach einigen Tagen bis Wochen ab. Es gibt einige Studien, die zeigen, dass ein großer Teil der Betroffenen nach 6-12 Monaten komplett symptomfrei wird. Allerdings gibt es einen Teil von Personen, bei denen dies nicht der Fall ist und die Symptome chronisch werden. Insbesondere die Nackenschmerzen und Bewegungseinschränkungen sind dann meist langfristig vorhanden. Bei einigen Personen kommt es auch zu chronischem Schwindel nach Schleudertrauma.

Chronischer Schwindel durch Schleudertrauma – was tun?

Während in der Zeit unmittelbar nach dem Schleudertrauma oft ein Drehschwindel auftritt, klagen einige Betroffene auch noch lange Zeit nach der HWS-Distorsion über Schwindelgefühle und Benommenheit. Oft ist es dann auch ein Schwankschwindel bzw. diffuser Schwindel. Die HWS als Ursache für Schwindel wird sehr kontrovers diskutiert. Betroffene sollten immer auch die Möglichkeit eines phobischen Schwankschwindels in Erwägung ziehen, welcher sich quasi aufgrund der ersten Drehschwindelattacken manifestiert hat.

Natürlich sollten bevor diese Möglichkeit in Erwägung gezogen wird, umfangreiche Untersuchungen durchgeführt werden, um eventuelle Ursachen in der Halswirbelsäule auszuschließen. Hierbei könnte ein sog. Upright-MRT hilfreich sein, bei dem nicht wie normalerweise im Liegen untersucht wird, sondern in Funktion (z.B. im Sitzen oder Stehen mit gedrehtem Kopf). Viele haben im Liegen nämlich weniger oder gar keine Symptome. Sobald sie sich aber bewegen, werden die Symptome wie Schwankschwindel und Benommenheit stärker. Gibt es Anhaltspunkte aus diesen Untersuchungen, z.B. gravierende Schäden an Bändern, Muskeln und Gelenkkapseln (Kapselrisse) führt der Weg für die meisten Betroffenen zu einem Neurochirurg.

Folgende Privatpraxen, die eine Upright-Kernspintomographie anbieten gibt es aktuell:

Upright MRT PraxisWebsite / Kontakt
München
Privatpraxis für Upright-Kernspintomographie
Dr. med. Andreas Förg
Facharzt für Diagnostische Radiologie

Einsteinring 28
85609 Aschheim/Dornach bei München
https://www.mrtmuenchen.de
Hamburg
Privatpraxis für Upright-Kernspintomographie
Dr. med. Stella Ebert
Fachärztin für Radiologie

Theodorstraße 42
New Westend Village | Haus 8
22761 Hamburg
https://www.mrthamburg.de
Hannover
Privatpraxis für Upright-Kernspintomographie
Dr. med. Thorsten Schulze
Facharzt für Diagnostische Radiologie

Expo-Plaza 10
30539 Hannover
https://www.mrt-hannover.de
Köln
Privatpraxis für Upright-Kernspintomographie
Dr. med. Michael Schräder
Facharzt für Radiologie

Maternusstr. 44
50996 Köln
https://www.mrt-koeln.de
Frankfurt
Privatpraxis für Upright-Kernspintomographie
Dr. med. Michael Schräder
Facharzt für Radiologie

Mainzer Landstraße 41
60329 Frankfurt am Main
https://www.mrtfrankfurt.de

Probleme die Betroffene oft mit dem Thema Upright-MRT haben:

  1. Teilweise werden die Befunde des Upright-MRT nicht akzeptiert bzw. die Untersuchungsmethode von vielen Ärzten in Frage gestellt.
  2. Die Kosten der Privatpraxen sind recht hoch und die spätere Behandlung unterscheidet sich oft nicht aufgrund der Befunde. Es handelt sich also erstmal um eine Diagnostik, die aber fast immer nichts an der späteren Therapie ändert. Dennoch kann es für Betroffene „erleichternd“ sein, wenn sie durch eine entsprechende Diagnostik eine Ursache für ihre Symptome gefunden haben.

Interessante Bücher zum Thema Beschwerden durch Kopfgelenke / Atlas sind:

Krankheitsursache Atlaswirbel Das HWS-Trauma Schwachstelle Genick

Gibt es keine Anhaltspunkte für Schäden an der HWS bzw. den Kopfgelenken, könnten die Erfahrungen von Betroffenen des phobischen Schwankschwindels hilfreich sein, um die Schwindelproblematik in den Griff zu bekommen.

Was tun gegen die Schmerzen – ist eine Halskrause sinnvoll?

Schleudertrauma HWS

Schleudertrauma HWS – Was tun gegen die Schmerzen?

Früher wurde häufig eine Halskrause verodnet, um die Muskeln zu entlasten und die Schmerzen zu verringern. Studien zeigten aber, dass eine Halskrause eher dazu beiträgt, dass chronische Symptome bleiben. Schonhaltungen sollten nicht zu lange eingenommen werden. Stattdessen bietet sich moderate Bewegung, z.B. auch der Aufenthalt in einem Thermalbad an. Schmerzmittel und Muskelrelaxantien werden von Ärzten oft zusätzlich verordnet. Einige Betroffene haben auch gute Erfahrungen mit CBD-Öl gemacht.
Physiotherapie lehnen viele Ärzte in der ersten Zeit nach dem Schleudertrauma ab. Gegen die Verspannungen haben wir im Shop einige Empfehlungen. Bei sportlichen Aktivitäten sollte man sich ebenfalls nicht übernehmen. Starke Belastungen wie z.B. Achterbahn fahren gilt es zu vermeiden.

Selbsthilfegruppe bei Schwindel

In unserer Schwindelhelfer-Gruppe auf Facebook kannst Du dich mit anderen Betroffenen austauschen zu Symptomen, Untersuchungen und Therapien.

Häufige Fragen zu Schwindel nach Schleudertrauma

Viele Betroffene haben nach einem Schleudertrauma ähnliche Fragen zu Schwindel, Benommenheit und Nackenschmerzen.
Hier findest du die wichtigsten Antworten als erste Orientierung. Diese Inhalte ersetzen keine ärztliche Diagnose oder Therapie.

Was ist ein Schleudertrauma?
Bei einem Schleudertrauma kommt es zu einer abrupten Überstreckung des Kopfes bzw. der Halswirbelsäule (HWS).
Das passiert häufig bei Autounfällen, besonders bei Auffahrunfällen, wenn der Kopf stark beschleunigt wird.
Welche typische Unfallsituation führt oft zu einem Schleudertrauma?
Häufig ist es ein Auffahrunfall: Ein Fahrzeug bremst (z. B. an einer Ampel) und das nachfolgende Auto reagiert zu spät.
Durch den Aufprall wird die HWS überstreckt und es können direkt danach Symptome wie Übelkeit, Drehschwindel,
Kopfschmerzen, Benommenheit und Nackenschmerzen auftreten.
Wann setzen Symptome nach einem Schleudertrauma typischerweise ein?
Die Beschwerden können sofort einsetzen oder sich innerhalb von bis zu 72 Stunden nach dem Unfall deutlich verstärken.
Welche Symptome treten nach einem Schleudertrauma häufig auf?
Typisch sind Nackenschmerzen mit eingeschränkter Kopfbeweglichkeit, Drehschwindel und Gangunsicherheit,
Kopfschmerzen (teilweise auch Brennen im Hinterkopf), Übelkeit, Erbrechen und Benommenheit.
Zusätzlich werden auch Verwirrtheit, Sehstörungen, Schweregefühl des Kopfes, Kieferschmerzen/Kiefersperre,
einschlafende Arme/Hände (Kribbeln/Taubheit) sowie starke Müdigkeit und Erschöpfung berichtet.
Ist Drehschwindel nach einem Schleudertrauma typisch?
Ja. Direkt nach dem Unfall berichten viele zunächst über Drehschwindel (wie im Karussell).
Später kann sich das Schwindelgefühl bei einigen in Richtung Schwankschwindel oder diffuse Benommenheit verändern.
Wie lange halten die Symptome nach einem Schleudertrauma an?
Das ist sehr unterschiedlich und wird kontrovers diskutiert. Häufig klingen die Symptome ohne weitere Behandlung
nach Tagen bis Wochen ab. Ein Teil wird innerhalb von 6 bis 12 Monaten komplett symptomfrei.
Bei einem Teil der Betroffenen werden die Beschwerden jedoch chronisch, besonders Nackenschmerzen und Bewegungseinschränkungen.
Kann Schwindel nach einem Schleudertrauma chronisch werden?
Ja. Einige Betroffene berichten auch lange nach der HWS-Distorsion über Schwindelgefühle und Benommenheit.
Häufig ist es dann eher ein Schwankschwindel oder diffuser Schwindel, nicht mehr der klassische Drehschwindel vom Anfang.
Ist die Halswirbelsäule (HWS) immer die Ursache für den Schwindel?
Nicht zwingend. Ein Zusammenhang zwischen HWS und Schwindel wird sehr kontrovers diskutiert.
Deshalb ist es wichtig, nicht vorschnell nur auf eine Ursache zu setzen, sondern die Situation insgesamt einzuordnen.
Warum sollte man auch phobischen Schwankschwindel in Erwägung ziehen?
Nach sehr beängstigenden ersten Drehschwindelattacken kann sich bei manchen ein phobischer Schwankschwindel entwickeln,
der dann durch Angst, Anspannung und Vermeidung „am Laufen gehalten“ wird. Das ist besonders dann relevant,
wenn umfangreiche Untersuchungen keine klare organische Ursache zeigen.
Welche Diagnostik ist nach einem Schleudertrauma mit Schwindel wichtig?
Bevor man psychophysiologische Erklärungen in den Vordergrund stellt, sollten umfangreiche Untersuchungen erfolgen,
um relevante Ursachen in der HWS und andere organische Ursachen auszuschließen.
In der Notaufnahme werden häufig Untersuchungen und Röntgenaufnahmen gemacht, um z. B. Frakturen auszuschließen.
Was bedeutet „Steilstellung der HWS“ und ist das automatisch gefährlich?
Eine Steilstellung beschreibt eine veränderte Krümmung/Haltung der Halswirbelsäule, die z. B. nach einem Unfall auffallen kann.
Entscheidend ist die ärztliche Einordnung im Gesamtkontext (Symptome, neurologische Zeichen, Bildgebung).
Nicht jede Auffälligkeit erklärt automatisch alle Beschwerden.
Was ist ein Upright-MRT und warum wird es bei Schleudertrauma-Schwindel erwähnt?
Ein Upright-MRT ist eine MRT-Untersuchung in „Funktion“, also nicht nur im Liegen,
sondern z. B. im Sitzen oder Stehen und teilweise mit gedrehtem Kopf.
Hintergrund: Viele Betroffene haben im Liegen weniger Symptome, bei Bewegung werden Schwankschwindel und Benommenheit stärker.
Welche Probleme berichten Betroffene beim Thema Upright-MRT häufig?
Häufig genannt werden: Befunde werden teilweise nicht akzeptiert oder die Methode wird von einigen Ärzten in Frage gestellt.
Zudem sind die Kosten in Privatpraxen oft hoch. Und selbst wenn Befunde vorliegen, ändert das nicht immer die spätere Therapie.
Dennoch kann Diagnostik für manche „erleichternd“ sein, wenn sich dadurch eine Ursache plausibler einordnen lässt.
Wann führt der Weg nach Auffälligkeiten in der HWS-Diagnostik häufig zum Neurochirurgen?
Wenn Untersuchungen Hinweise auf gravierende Schäden an Bändern, Muskeln oder Gelenkkapseln (z. B. Kapselrisse) ergeben,
suchen viele Betroffene eine neurochirurgische Einordnung, um das weitere Vorgehen sicher zu planen.
Warum sind manche Symptome im Liegen deutlich besser als beim Gehen oder Stehen?
Viele berichten dieses Muster: In Ruhe (Liegen) weniger Symptome, bei Bewegung mehr Schwanken/Benommenheit.
Das kann unterschiedliche Ursachen haben und ist allein kein Beweis für eine reine HWS-Ursache.
Es ist aber ein häufiges Beobachtungsmerkmal, das in die Diagnostik und Einordnung einfließen kann.
Ist eine Halskrause nach Schleudertrauma sinnvoll?
Früher wurde häufig eine Halskrause verordnet, um die Muskulatur zu entlasten.
Es wird jedoch berichtet, dass eine Halskrause eher dazu beitragen kann, dass chronische Symptome bleiben,
weil Schonhaltungen und Inaktivität das System langfristig ungünstig beeinflussen können.
Das Vorgehen sollte individuell ärztlich entschieden werden.
Was hilft gegen Schmerzen und Verspannungen nach Schleudertrauma?
Häufig werden Schmerzmittel und teils auch Muskelrelaxantien ärztlich verordnet.
Viele setzen zusätzlich auf moderate Bewegung, Wärme und Entspannung. Manche berichten auch über gute Erfahrungen mit Thermalbad.
Wichtig ist, Überforderung zu vermeiden und schrittweise zu stabilisieren.
Warum lehnen manche Ärzte Physiotherapie direkt nach dem Schleudertrauma zunächst ab?
In der frühen Phase nach dem Unfall sind manche Ärztinnen und Ärzte zurückhaltend, weil zunächst Ruhe, Reizabschirmung
und die Akutphase im Vordergrund stehen können. Wie früh Physiotherapie sinnvoll ist, hängt stark vom Einzelfall ab.
Welche Aktivitäten sollte man nach Schleudertrauma eher vermeiden?
Viele Betroffene vermeiden starke Belastungen und ruckartige Bewegungen, vor allem wenn dadurch Symptome deutlich getriggert werden.
Als Beispiel werden häufig Belastungen genannt, die den Kopf stark beschleunigen oder ruckartig bewegen (z. B. Achterbahn).
Was kann man tun, wenn trotz unauffälliger HWS-Diagnostik Schwindel bleibt?
Wenn keine Anhaltspunkte für relevante HWS-Schäden vorliegen, kann es hilfreich sein,
zusätzlich Erfahrungen und Strategien von Betroffenen mit phobischem Schwankschwindel zu prüfen,
um Angst-, Anspannungs- und Vermeidungsmechanismen zu durchbrechen und das System insgesamt zu beruhigen.

Philipp Markus Wiedmaier

Zuletzt aktualisiert am 07.01.2026

Autor: Philipp Markus Wiedmaier

Philipp Markus Wiedmaier ist der Gründer von Schwindelhelfer.de und selbst langjährig betroffen von Benommenheitsschwindel (auch bekannt als PPPD). Seit 2018 schreibt er über Symptome, Ursachen und Selbsthilfemethoden.

Sein Buch: Schwindel Helfer – Gemeinsam Schwindelfrei (ISBN: 978-1793479242).

Hinweis: Philipp ist kein Arzt. Die Inhalte beruhen auf eigenen Erfahrungen und ersetzen keine medizinische oder therapeutische Beratung.