8. April 2019 Philipp Markus Wiedmaier Lesezeit: 9 Minuten

Was ist Stress?

Stress ist erstmal eine ganz normale Reaktion des Körpers auf Herausforderungen und Bedrohungen. Dein Gehirn leitet alles in die Wege, um schnell reagieren zu können. Diese Stressreaktion war vor allem früher wichtig um gegen wilde Tiere bestehen bzw. flüchten zu können.

Stress Schwindel Ursache

Stress Reaktion – Kampf oder Flucht – Schwindel Ursache?

Auch heute ist man z.B. im Straßenverkehr zahlreichen Gefahren ausgesetzt. Im Vergleich zu früher haben die Gefahren aber deutlich nachgelassen. Der Säbelzahntiger lauert nicht mehr hinter jedem Gebüsch. Das System mit der Ausschüttung von Adrenalin- und Stresshormonen ist aber immer noch dasselbe und setzt Dich oft unbegründet in einen Alarmzustand, in eine „Kampf oder Flucht“ -Reaktion.


Was passiert bei Stress im Körper?

Bei Stress schlägt Dein Herz schneller, die Blutgefäße in den großen Muskeln lassen mehr Blut durch. Du fängst an zu schwitzen damit Dein Körper nicht überhitzt. Deine Muskeln sind angespannt und Du bist hochkonzentriert, um jederzeit mit voller Leistung reagieren zu können.

Schwitzen durch Stress

Schwitzen durch Stress

Was sind die Folgen von Stress?

Kurzfristig ist Stress eine gute Sache – schließlich beschützt er Dich vor vielen Gefahren. Hält er aber an und gelingt es Dir nicht mehr den „Kampf- oder Fluchtzustand“ zu verlassen und in einen ruhigen Zustand zurückzukehren, wir Dich der Stress auf Dauer krank machen. Du wirst häufiger Infektionen und Erkältungen haben. Dein Immunsystem wird geschwächt. Das Risiko für Herzkrankheiten sowie psychische Erkrankungen wie Angststörungen oder Depressionen wird erhöht.

Wie kann Stress über die Herzfrequenzvariabilität gemessen werden?

Die Herzfrequenzvariabilität (HRV) ist ein Maß dafür, wie unterschiedlich die Abstände zwischen den Herzschlägen sind. Wenn diese Abstände stark schwanken, bedeutet das, dass der Körper gut auf verschiedene Situationen reagieren kann – das ist ein Zeichen für Entspannung und Gesundheit. Wenn die Abstände jedoch gleichmäßiger und starrer sind, kann das auf Stress oder Überlastung hindeuten.

Unser Herz wird vom autonomen Nervensystem gesteuert, das zwei Teile hat: Das sympathische Nervensystem, das in Stresssituationen aktiviert wird („Kampf-oder-Flucht“-Modus), und das parasympathische Nervensystem, das für Entspannung sorgt. Eine hohe HRV zeigt, dass das parasympathische Nervensystem aktiv ist, also der Körper gut entspannt ist. Eine niedrige HRV deutet darauf hin, dass der Körper gestresst oder angespannt ist.

HRV kann mithilfe von Fitness-Trackern, speziellen Brustgurten oder einem Elektrokardiogramm (EKG) gemessen werden. Diese Geräte erfassen, wie lange der Abstand zwischen den Herzschlägen ist und zeigen, wie gut der Körper auf Stress oder Ruhe reagiert.

Einfach ausgedrückt bedeutet das: Eine hohe HRV ist gut und zeigt, dass du entspannt bist. Eine niedrige HRV kann bedeuten, dass du gestresst bist. Die regelmäßige Überwachung der HRV kann also helfen, deinen Stresslevel im Blick zu behalten und rechtzeitig zu reagieren, wenn du zu viel Stress hast.

Die Messung der Herzfrequenzvariabilität (HRV) erfordert präzise Geräte, die die Abstände zwischen den Herzschlägen genau erfassen können.
Fitness-Tracker und Smartwatches bieten eine einfache Möglichkeit zur Messung der HRV im Alltag, da sie oft über optische Sensoren verfügen, die die Herzfrequenz messen. Viele Modelle haben spezielle Funktionen für HRV-Analysen.

  • HUAWEI Band 8: Fitness-Tracker, der neben vielen Funktionen wie Schlaftracking und Stressanalyse auch die Herzfrequenzvariabilität (HRV) misst. Bietet bis zu 14 Tage Akkulaufzeit.
  • Apple Watch: Misst die HRV über die eingebaute Herzfrequenz-Sensorik und zeigt diese in der Health-App an.
  • Garmin Uhren (z.B. Garmin Forerunner oder Fenix-Serie): Bieten detaillierte HRV-Daten, insbesondere für sportliche Aktivitäten und Regenerationsüberwachung.
  • Whoop Strap: Ein speziell auf die HRV-Messung fokussiertes Wearable, das 24/7 Daten erfasst und umfassende Berichte zu Stress, Schlaf und Erholung bietet.
  • Fitbit (z.B. Fitbit Sense): Misst HRV über die Nacht und zeigt diese in der Fitbit-App an.

Eine preiswerte Alternative zur Apple Watch ist die Smartwatch Band 8, welche ideal für die Messung der Herzfrequenzvariabilität ist.

Schwindel durch Stress

Schwindel durch Stress

Schwindel durch Stress, Anspannung und Angst

Bist Du erstmal krank, erhöht dies den Stress noch mehr. Du gelangst in eine Spirale aus

Der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt, ist dann oft ein belastendes Ereignis oder ein Konflikt. Häufig ist dies der Zeitpunkt, zu dem dann der Schwindel einsetzt, manchmal auch mit einer zeitlichen Verzögerung. Stress kann also durchaus die Ursache für Schwindel sein. Gerade beim Angstschwindel bzw. Benommenheitsschwindel spielt Stress eine wichtige Rolle.

Was tun bei Schwindel wegen Stress? Normalerweise gelingt es einem gesunden Körper nach der „Kampf oder Flucht“-Reaktion wieder runterzufahren, indem die Herzfrequenz verlangsamt, der Blutdruck gesenkt und der Sauerstoffverbrauch reduziert wird. Die Muskeln entspannen wieder. Hierbei spielt der Vagusnerv eine wichtige Rolle: Er verlangsamt das Herz bei Bedarf. Bei chronischem Stress arbeitet dieses System nicht wie gewohnt. Glücklicherweise gibt es Methoden, um dieses System wieder zu normalisieren. Wir haben uns im Buch mit speziellen Atemtechniken und Entspannungsübungen beschäftigt, die Du zusammen mit weiteren alternativen Methoden anwenden kannst. Ziel ist es hierbei den Vagusnerv anzuregen, so dass dieser die Herzfrequenz wieder verlangsamt und den Körper in eine Entspannung bringen kann. Gelingt dies, wirst Du aus dem Alarmzustand herauskommen, was sich positiv auf die Benommenheit und den Schwindel sowie die Verspannungen und die Angst auswirken sollte.

Weitere Tipps zur Stressreduzierung

Häufige Fragen zu Stress als Ursache für Schwindel & Benommenheit

Stress ist ursprünglich eine sinnvolle Kampf-oder-Flucht-Reaktion. Problematisch wird es, wenn der Körper
nicht mehr zuverlässig „runterfährt“: Dann entstehen leicht Spiralen aus Anspannung, Angst,
Hyperventilation, Verspannungen – und bei vielen eben auch Schwindel bzw. Brainfog.
Ein hilfreicher, objektiver Indikator kann die Herzfrequenzvariabilität (HRV) sein.

Was ist Stress – und warum ist das überhaupt „normal“?
Stress ist eine normale Körperreaktion auf Herausforderungen oder gefühlte Bedrohungen.
Das Gehirn aktiviert schnelle „Überlebensprogramme“: du wirst wacher, schneller und reaktionsfähiger.
Früher war das wichtig (Flucht/Kampf), heute springt derselbe Mechanismus oft schon bei alltäglichen Situationen an
(Zeitdruck, Konflikte, Überforderung, Gesundheitsangst).
Was passiert im Körper bei Stress (Kampf-oder-Flucht)?
Der Körper schaltet in einen Alarmzustand: das Herz schlägt schneller, große Muskelgruppen werden besser durchblutet,
du schwitzt schneller, die Muskulatur spannt an und die Aufmerksamkeit steigt. Das ist kurzfristig hilfreich,
kann aber bei Dauerstress zu einer permanenten „Grundanspannung“ führen – inklusive flacher Atmung.
Kann Stress wirklich Schwindel, Benommenheit oder Brainfog auslösen?
Ja – besonders wenn Stress chronisch wird. Viele Betroffene rutschen in eine Spirale aus
Stress → Anspannung → Angst (und wieder zurück). Dazu kommen oft Verspannungen (Nacken/Kiefer),
veränderte Atmung (z. B. chronische Hyperventilation) und ein überaktives Nervensystem.
Häufig ist ein belastendes Ereignis oder Konflikt „der Tropfen“, nach dem die Symptome starten – manchmal auch zeitverzögert.
Warum macht Dauerstress krank – was sind typische Folgen?
Kurzfristig schützt Stress. Wenn der Körper aber nicht mehr in den Ruhemodus zurückfindet,
schwächt das auf Dauer u. a. das Immunsystem (mehr Infekte), erhöht das Risiko für Herz-Kreislauf-Probleme
und kann psychische Themen wie Angststörungen oder Depression begünstigen.
Viele Betroffene merken außerdem: Sobald sie „krank“ sind, steigt der Stress nochmal – und die Symptome verstärken sich.
Was ist HRV (Herzfrequenzvariabilität) – und was sagt sie über Stress aus?
HRV beschreibt, wie stark die Abstände zwischen Herzschlägen variieren. Eine hohe HRV deutet oft darauf hin,
dass dein Körper flexibel zwischen Aktivität und Ruhe wechseln kann (mehr parasympathische Aktivität, also „Entspannungssystem“).
Eine niedrige HRV kann auf Stress, Überlastung oder zu wenig Regeneration hindeuten.
HRV ist kein „Diagnosewert“, kann aber ein hilfreicher Trend-Indikator sein.
Wie kann man HRV messen – reicht eine Smartwatch?
HRV kann über unterschiedliche Geräte erfasst werden: Fitness-Tracker/Smartwatches (oft optisch), Brustgurte (meist genauer)
oder ein EKG. Für den Alltag reicht vielen eine Uhr/Tracker, wenn du regelmäßig misst und vor allem auf
Trends achtest (z. B. über Wochen), statt dich von einzelnen Tageswerten verrückt machen zu lassen.
Welche Rolle spielt der Vagusnerv bei Stress, Angst und Schwindel?
Der Vagusnerv ist ein zentraler Teil des parasympathischen Nervensystems und hilft dem Körper, nach Alarmphasen
wieder runterzufahren (u. a. Herzfrequenz senken, Entspannung fördern). Bei chronischem Stress funktioniert dieses Umschalten
oft schlechter. Methoden wie Atemtechniken, Entspannung und regelmäßige Ruhe-Reize können helfen,
das System wieder zu „trainieren“.
Was kann ich tun, wenn ich Schwindel durch Stress vermute?
Wichtig ist, den Körper wieder zuverlässig in den Entspannungsmodus zu bringen. Viele profitieren von:
ruhiger Atmung (statt flach/schnell), Entspannungsübungen (z. B. Body Scan, PMR, Meditation),
regelmäßiger Bewegung und dem Reduzieren von Dauerstressoren. Ziel ist weniger „Symptome wegdrücken“, sondern das
Daueralarm-System zu beruhigen – dadurch werden Benommenheit, Schwindel, Verspannungen und Angst oft spürbar leichter.
Warum verschlimmern sich die Symptome oft, wenn ich sie ständig überprüfe?
Ständiges Scannen („Wie fühlt sich mein Kopf an?“, „Kippe ich gleich um?“) hält das Gehirn im Alarmmodus.
Das kann Angst, Anspannung und flache Atmung verstärken – und damit auch Schwindel/Benommenheit.
Viele berichten, dass Ablenkung, Bewegung oder „normales Tun“ paradoxerweise entlastet, weil das System dann weniger Alarm sendet.
Wann sollte ich ärztlich abklären lassen, ob es wirklich „nur Stress“ ist?
Gerade am Anfang sind gründliche Untersuchungen sinnvoll, um wichtige organische Ursachen auszuschließen
(z. B. neurologisch, HNO, Kreislauf). Wenn aber trotz umfangreicher Abklärung kein Befund erklärt,
warum die Symptome bleiben, und typische Muster zu Stress/Angst/Anspannung passen, ist es sinnvoll,
Stress als Hauptverstärker ernst zu nehmen und gezielt zu behandeln.

Philipp Markus Wiedmaier

Zuletzt aktualisiert am 08.01.2026

Autor: Philipp Markus Wiedmaier

Philipp Markus Wiedmaier ist der Gründer von Schwindelhelfer.de und selbst langjährig betroffen von Benommenheitsschwindel (auch bekannt als PPPD). Seit 2018 schreibt er über Symptome, Ursachen und Selbsthilfemethoden.

Sein Buch: Schwindel Helfer – Gemeinsam Schwindelfrei (ISBN: 978-1793479242).

Hinweis: Philipp ist kein Arzt. Die Inhalte beruhen auf eigenen Erfahrungen und ersetzen keine medizinische oder therapeutische Beratung.