Start » Schwindel Erfahrungsberichte & Interviews mit Betroffenen

Berichte & Interviews

Auf dieser Seite werden interessante Interviews, Schwindel Erfahrungen und Berichte von Betroffenen des Benommenheitsschwindels zusammengestellt. Nimm Dir ein wenig Zeit, vielleicht mit einer Tasse Kaffee auf der Coach, und lies dir in Ruhe die Erfahrungen zu Symptomen, Behandlungen und Behandlern, zu Medikamenten, Übungen uvm. durch. Du kannst hier eine Menge für Deine eigene Situation mitnehmen. Falls Du auch Deine Erfahrungen teilen möchtest, schreib uns doch in der Schwindelhelfer-Facebook-Gruppe
Erfahrungsberichte

 

Interviews

 

Schwindel Interviews
Schwindel Erfahrungsberichte & Interviews


Timo, 33 - Erfahrungsbericht:

Noch bevor ich diesen Schwindel bekommen haben, hatte ich Tage zuvor starke Nackenschmerzen. Ich bekam dann eine plötzliche Schwindelattacke, bei der sich alles gedreht hatte. In der Notaufnahme wurde ein CT gemacht. Ich wurde ohne Befund wieder entlassen mit dem Hinweis dass ich arbeiten gehen kann, ich aber zusätzlich HNO und Orthopäde aufsuchen soll. Es setzte ein Benommenheitsgefühl ein und es war kaum möglich in diesem Zustand zu arbeiten. Alle weiteren Untersuchungen bei Orthopäde und Neurologe waren ohne Befund. Ein Osteopath vermutete Probleme mit dem Kiefer und ersten Halswirbel und schickte mich wegen CMD zu einem Zahnarzt. Dort bekam ich die Diagnose CMD und eine entsprechende Schiene – welches alles nur noch schlimmer machte. Der Schwindel und die Verspannungen wurden unerträglich. Ein auf CMD spezialisierter Physiotherapeut sagte mir, ich solle die Schiene in den Müll werfen, die würden sowieso nichts bringen. Er schickte mich zu einem "CMD-Spezialisten", der mir eine weitere Schiene anfertigte: Auch diese hatte keinen Effekt. Schließlich versuchte ich noch 3 weitere Schienen und suchte dazu noch einen KFO und einen weiteren auf CMD spezialisierten Zahnarzt auf. Auf kurzzeitige Besserungen folgten immer umso stärkere Rückschlage, so dass ich dieses CMD-Thema irgendwann entnervt aufgab und mich auf psychische Ursachen fokussierte. Ich begann auf eigene Kosten eine Psychotherapie. Nach über einem Jahr ist der Schwindel zwar nicht vollständig weg, ich kann allerdings deutlich besser damit umgehen und viele Symptome wie Nackenschmerzen sind deutlich zurückgegangen. Ich kann nur allen empfehlen, sich möglichst früh mit psychischen Ursachen zu beschäftigen. Ich denke dass eine Kombination aus Stress und erblicher Faktoren bei diesem Krankheitsbild eine große Rolle spielt. Ob man es nun Angststörung, Burnout, versteckte Depression oder chronischen Stress nennt, letztendlich sind es fast immer bestimmte Lebensumstände, die einen da reingeführt haben und diese muss man ändern. Außerdem ist sehr viel Sport wichtig. Ich spreche nicht von einem 20-minütigen Spaziergang pro Woche – sondern von 1h intensiven Trainings – am besten täglich. Geholfen haben mir auch Mikronährstoffe, da ich durch die ganzen Schwindelattacken körperlich ziemlich am Ende war.

Eva, 31 - Erfahrungsbericht:

Ich habe einen bunten Mix an Symptomen bekommen: Schwankschwindel, Benommenheit, Angstzustände, Muskelzuckungen, Verspannungen und Taubheitsgefühle, wobei der Schwindel mein größtes Problem war. Im Liegen ging es mir meist gut, aber unterwegs sein mit diesen Symptomen und dem Gefühl jederzeit ohnmächtig zu werden war der absolute Horror. Es ging so weit, dass ich mich kaum getraut habe, um den Block zu laufen. Einkaufen wurde zu einer entsetzlichen Überforderung. Genauso bunt wie meine Symptome, waren die Diagnosen der Ärzte. Vom HWS-Syndrom, über Kieferfehlstellung und Nährstoffmangel bis hin zu Angststörungen, Borreliose und Burnout war so ziemlich alles dabei. In seiner Verzweiflung versucht man ja so einiges: Ich habe mir Wirbel einrenken lassen, mich mit Fango beschmieren lassen, Beißschienen getragen, mich hypnotisieren lassen, Vitamine und Nährstoffe aufgefüllt, Psychotherapien durchgeführt, Antidepressiva geschluckt und bin um die halbe Welt gereist, um eine Lösung für dieses Problem zu finden. Besser wurde es erstmal nicht. Also fing ich an, im Internet nach anderen Betroffenen zu suchen und ihre Erfahrungen auszuprobieren. Ich stellte meinen Ärztemarathon ein und brach alle Behandlungen ab. Der Gewinn an Zeit und auch Geld, den ich dadurch hatte, tat schonmal richtig gut. Ich beschäftigte mich mit Entspannungstechniken und Atemtechniken, die mir andere Betroffene empfohlen haben. In kurzer Zeit machte ich mehr Fortschritte als bei den ganzen Therapien zuvor. Die Angst ließ immer mehr nach und damit auch dieses Benommenheitsgefühl. Ich änderte außerdem viele Dinge in meinem Leben und kündigte meinen Job für ein Sabbatical. Der Schwindel wurde immer weniger und ich merke ihn heute nur noch in sehr stressigen Phasen. Ich hätte nicht mehr daran geglaubt, diese Symptome jemals loszuwerden und es war ein langer Weg, aber ich bin froh dass ich ihn gegangen bin und es mir heute viel besser geht.

Franziska, 35 - Erfahrungsbericht:

Ich wurde nach einer Drehschwindelattacke von meinem Hausarzt in eine Notaufnahme geschickt. Dort wurde ich stationär für eine Woche aufgenommen und es wurden sehr viele Untersuchungen gemacht: MRT Kopf, MRT HWS, CT mit Kontrastmittel, EKG, Ultraschall, EEG usw. und natürlich die ganzen Blutuntersuchungen. Ergebnis: Nichts! Verdacht gab es auf Schlaganfall und Bandscheibenvorfall, was sich aber nicht bestätigt hat. Wieder raus aus dem Krankenhaus freut man sich, dass man gesund ist und geht wieder zur Arbeit. Ein paar Tage später bekam ich wieder eine Schwindelattacke und es setzte ein permanentes Benommenheitsgefühl ein. Ich fühlte mich ab da nicht mehr sicher und hatte enorme Angst, dass diese Attacken wieder auftraten und dass taten sie auch. Während ich bei den Attacken Drehschwindel hatte, war es sonst ein Schwankschwindel und dieses Gefühl betrunken zu sein. Es gesellten sich starke Nackenverspannungen dazu, mit dem Gefühl den Kopf nicht mehr halten zu können und jederzeit umzufallen. Es kamen noch weitere Attacken und ich machte viele Untersuchungen bei HNO, Neurologe, Orthopäde, Zahnarzt usw. Zwar wurde mir bestätigt, dass ich eine Fehlhaltung habe und meine Wirbelsäule eine Skoliose aufweist, aber dass der Schwindel daher kommen kann, wurde von den meisten Ärzten abgelehnt. Also landete ich beim Psychiater, welcher mir eine Psychotherapie empfahl. Nach 2 Jahren Psychotherapie hat sich an den Symptomen absolut nichts geändert. Eine Schwindelambulanz diagnostizierte einen phobischen Schwankschwindel und empfahl – wieder – Psychotherapie. Irgendwann habe ich mich mit dieser Diagnose abgefunden, wusste aber immer noch nicht, was ich dagegen tun kann. Ein anderer Betroffener erzählte mir von Übungen gegen Schwindel, Anspannung und Angst, die ihm geholfen haben. Also übte ich fleißig und tatsächlich wurde es Woche für Woche besser. Erst später bin ich auf das Krankheitsbild chronische Hyperventilation gestoßen, welches bei mir wohl zutrifft. Insbesondere die Atemübungen haben mir sehr geholfen relaxter durchs Leben zu gehen. Schwindelattacken habe ich seitdem keine mehr. Im Nachhinein vermute ich, dass es sich um Panikattacken handelte.


Interview mit Tanja

Schwindelhelfer.de: Hallo Tanja, vielen Dank dass Du deine Erfahrungen mit der Community teilst. Kannst Du uns bitte ein paar allgemeine Informationen über Dich geben?

Tanja: Hallo zusammen und vielen Dank, dass ich hier meine Erfahrungen teilen darf. Ich bin Tanja, 35, verheiratet und arbeite im Marketing. Ich habe mich mehrere Jahre mit diesem Schwindel und weiteren Symptomen herumgeplagt. Inzwischen geht es mir aber deutlich besser, wenn auch noch nicht zu 100%.

Schwindelhelfer.de: Wie hat dies bei dir angefangen und welche Symptome hattest Du genau?

Tanja: Das erste Symptom waren vor 3 Jahren Nackenschmerzen. Die hatte ich immer mal wieder, auch zuvor, da ich beruflich auch viel sitzen muss. Dieses Mal waren sie aber besonders ausgeprägt. Es war eine sowohl beruflich als auch privat stressige Phase. Es kamen dann noch seltsame Muskelschmerzen, Kribbeln und Taubheitsgefühle im Arm und in den Händen dazu und an einem Tag habe ich auf der Arbeit plötzlich ein komisches Gefühl im Nacken/Hinterkopf gespürt, danach habe ich einen starken Schwindelanfall bekommen. Ich konnte mich kaum auf den Beinen halten und dachte sofort an Schlaganfall. Es ging dann in die Notaufnahme und es gab Verdacht auf Bandscheibenvorfall, was sich nach einem CT nicht bestätigt hatte.

Ich wurde nach Hause geschickt mit dem Hinweis dass ich arbeiten gehen könnte und mit der Empfehlung noch einen Orthopäden wegen Nackenschmerzen und einen HNO wegen Schwindel aufzusuchen. Am nächsten Tag konnte ich mich aufgrund dieses Schwindels und der Benommenheit kaum auf den Beinen halten. Ich schleppte mich zur Arbeit (im Nachhinein ein großer Fehler), konzentriertes Arbeiten war aber nicht möglich. Nachdem mein gesamter linker Arm taub wurde, hat mich mein Hausarzt in eine Klinik überwiesen. Dort wurde das komplette Programm mit MRT HWS, MRT Kopf, Nervenleitgeschwindigkeit etc. Durchgeführt. 4 Tage wurde ich auf den Kopf gestellt und das Ergebnis war: Ich kann arbeiten gehen! Es wurde nur eine Fehlhaltung der HWS festgestellt, welche durch Physiotherapie behandelt werden sollte. Natürlich war ich erstmal erleichtert, dass nichts Schlimmes gefunden wurde. Die Benommenheit, der Schwindel und die Nackenschmerzen waren ab da mein ständiger Begleiter. So fing das bei mir an.

Schwindelhelfer.de: Wie fühlte sich der Schwindel genau an?

Tanja: Es ist schwer zu beschreiben. Ich fühlte mich als würde ich jederzeit im nächsten Moment umfallen, wie sturzbetrunken. Dazu kam ein seltsames Beklemmungsgefühl im Nacken/Kopf - als würde die Versorgung ins Gehirn unterbrochen. Komischerweise ging es mir aber im Liegen meist deutlich besser. Auch beim Autofahren war der Schwindel besser. Auch morgens war er für einige Zeit weg und setzte dann ein und wurde immer stärker tagsüber, bis er dann abends wieder etwas besser wurde. Ich hatte so ziemlich alle Schwindelarten. Zu Beginn war es wohl ein Drehschwindel, danach dieser Benommenheitsschwindel und ich hatte auch immer wieder ganz kurze Schwindelattacken, die nur einen Bruchteil einer Sekunde gehen – diese waren für mich am schlimmsten.

Schwindelhelfer.de: Wie ging es dann für Dich weiter?

Tanja: Da es mit der Physiotherapie nicht besser wurde und immer weitere Symptome hinzukamen (Muskelzuckungen, schwache Beine, Sehstörungen uvm., habe ich dann einen Ärztemarathon gestartet, wie wahrscheinlich jeder mit diesen Symptomen. Ich war bei Neurologen, HNOs, habe Blutuntersuchungen etc. gemacht. Zu Beginn gab es noch den Verdacht auf Krankheiten wie MS, ALS, Borreliose, Hashimoto – Ergebnis immer: Alles OK, könnte wohl von der HWS kommen oder ist psychisch.

HWS hatte ich von Anfang an in Verdacht, da ja auch alles mit Nackenschmerzen bei mir begann und es mir im Liegen bzw. wenn der Kopf angelehnt war, deutlich besser ging. Also machte ich bei diesem Bereich weiter und suchte mir spezialisierte Osteopathen. Ich war überzeugt, dass mit meiner HWS etwas nicht stimmte. Dort wurden auch immer wieder Kopfgelenksblockaden gelöst. Dieses einrenken ist ja sehr umstritten, hatte bei mir aber immer kurzfristig geholfen. Die osteopathischen Sitzungen waren sehr wohltuend, aber der Effekt hielt nicht lange an und die meisten Symptome kamen wieder.

Also führte ich meinen Ärztemarathon fort und kam als nächstes zum Thema CMD: Der Osteopath war der Meinung, dass dies die Ursache sein könnte und ich versuchte verschiedene Schienen mit weiteren Phyiso-Behandlungen. Kurzfristig gab es Effekte aber leider nie nachhaltig. Ich war aufgrund der vielen erfolglosen Behandlungen ziemlich am Boden zerstört und irgendwann habe ich mir gesagt: So kann es nicht weitergehen, ich muss mir selber helfen. Also fing ich an im Internet auf Basis meiner Symptome andere Betroffene zu finden. Ich interessierte mich für ihre Erfahrungen, Lösungsansätze und Tipps.

Schwindelhelfer.de: Welche Tipps haben Dir am meisten geholfen? Was war der Wendepunkt?

Tanja: Zwei Punkte haben mir besonders geholfen: Chronische Hyperventilation und phobischer Schwankschwindel verstehen und meine Einstellung ändern (weniger perfektionistisch, mich an erster Stelle). Hierfür war auch eine Psychotherapie hilfreich.

Schwindelhelfer.de: Was hattest Du konkret gemacht und wie lange?

Tanja: Nachdem die Diagnose phobischer Schwankschwindel feststand, habe ich mich über mehrere Monate intensiv mit Atemübungen und Entspannungstechniken beschäftigt und parallel eine Psychotherapie gemacht, die insgesamt 1 Jahr dauerte. Dies hat meine Symptome deutlich reduziert. Viele sind komplett verschwunden. Nur manchmal, insbesondere bei Stress, melden sich noch Schwindel, Nacken und Benommenheit, aber in viel geringerer Intensität als früher. Dann weiß ich, dass ich wieder einen Gang zurückschalten muss bzw. meine HWS-Übungen zur Kräftigung der Muskulatur nicht vernachlässigen darf.

Schwindelhelfer.de: Was glaubst Du, was letztendlich der Auslöser und die Ursache bei dir war?

Tanja: Ich denke ein hohes Stresslevel über einen längeren Zeitraum, gepaart mit Angst. Das Problem an den vielen Untersuchungen ist, dass man ja immer noch mehr Angst bekommt, eine schlimme Krankheit zu haben. Man ist zu Beginn völlig überfordert von den Symptomen und weiß nicht wie einem geschieht. Ich denke das führt dann erst zu einer richtigen Angststörung.

Schwindelhelfer.de: Was würdest Du im Nachhinein anders machen?

Tanja: Ich würde früher auf die Erfahrungen und Tipps anderer Betroffener hören und mich auch früher für psychosomatische Ursachen und eine Psychotherapie öffnen. Ich habe mich zu lange mit Physiotherapie und Fangopackungen beschäftigt und mich darauf verlassen, dass die es schon richten werden. Dabei war meine Einstellung, Denkweise und Angst vermutlich das Hauptproblem. HWS-Verspannungen kommen dann von selbst. Es ist wichtig diese zu beheben, alleine mit Physiotherapie reicht es aber in den meisten Fällen nicht. Man muss selber auch viel ändern und Übungen machen für den Körper und den Geist.

Schwindelhelfer.de: Welche Tipps für die Schwindelhelfer-Community hast Du noch?

Tanja: Gebt nicht auf! Auch wenn es manchmal aussichtslos erscheint: Es gibt Möglichkeiten diese Symptome deutlich zu verbessern. Glaubt nicht alles was ihr von Ärzten hört und macht euch eure eigenen Gedanken und sucht den Austausch mit anderen Betroffenen.

Schwindelhelfer.de: Tanja, vielen Dank für das Interview!

Tanja: Ich habe zu danken! Ich hoffe, dass noch vielen mit diesen Symptomen durch eure Infos geholfen wird – macht weiter so!

Interview mit Georg

Schwindelhelfer.de: Hallo Georg, danke dass Du deine "Geschichte" hier teilst. Kannst Du bitte ein paar Infos über Dich geben?

Georg: Hallo, dass mache ich gerne. Meine Name ist Georg, ich bin 36 Jahre alt, ledig, keine Kinder und arbeite Vollzeit als Ingenieur.
Den Schwindel habe ich mit 33 bekommen und inzwischen besiegt.

Schwindelhelfer.de: Wie trat der Schwindel das erste mal auf?

Georg: Ich war mit meiner Freundin in einem Freizeitpark und als wir wieder gehen wollten spürte ich kurz vor dem Ausgang ein seltsames Gefühl in mir. Es drehte sich alles, ich hatte Atemnot und meine Beine fühlten sich an, als könnten sie mich nicht mehr halten. Ich hatte das Gefühl ohnmächtig zu werden. Ich musste mich hinsetzen. Nach ein paar Minuten ging es wieder etwas besser. Aber seitdem hatte ich dieses Benommenheitsgefühl und Angst, dass ich dass nochmal erleben muss. Heute weiß ich dass es eine Panikattacke war.

Schwindelhelfer.de: Was hast Du nach der Schwindelattacke gemacht?

Georg: Da kein Arzt mehr offen hatte, bin ich in ein Krankenhaus gefahren, wo man mich durchgecheckt hat. Es wurde ein CT vom Kopf mit Kontrastmittel gemacht. Dabei kam nichts heraus. Alle Untersuchungen waren ohne Befund und ich durfte wieder gehen. Dann habe ich den Fehler gemacht, dass ich am nächsten Tag gleich wieder arbeiten ging. Ich sagte mir: War vermutlich nur ein Kreislaufproblem, vielleicht zu wenig getrunken. Es wurde ja alles untersucht. Ich bin gesund. Ein paar Tage später wieder die selbe Attacke, dieses mal in einem Kaufhaus. Dass es erneut passiert ist, hat mir dann jegliche Sicherheit genommen. Ich wußte, dass es vermutlich doch nicht nur ein Kreislaufproblem war. Ich bekam Angst davor, dass die Ärzte vielleicht etwas übersehen haben und es begann ein wahrer Ärztemarathon. Ein Neurologe checkte mich nochmals durch und brachte das erste mal psychische Ursachen ins Spiel. Er meinte es handelte sich um eine Angststörung, die man mit Gesprächen und Antidepressiva behandeln soll. Medikamente lehnte ich ab. Und eine Psychotherapie wollte ich auch nicht machen, da ich sicher war, dass es nicht psychisch sein kann. Ich hatte eine glückliche Beziehung, einen tollen Job, keine sonstigen Probleme - warum also psychische Ursachen? Also suchte ich nach anderen Ursachen und stoß auf alle möglichen Theorien. Ich habe alles versucht und untersuchen lassen: HWS, CMD, Amalgam, Ernährungsumstellung, Vitamine, Schilddrüse, Borreliose und noch vieles mehr. Die Beschwerden wurden nicht besser oder kamen immer wieder zurück. Außerdem kamen immer mehr Symptome dazu.

Schwindelhelfer.de: Welche weiteren Symptome hattest Du und wie fühlte sich der Schwindel an?

Georg: Ich hatte starke Verspannungen, insbesondere im Nacken und Rücken. Später kamen Muskelzuckungen hinzu, die einem auch große Angst einjagen. Der Schwindel fühlte sich bei den Attacken drehend an, ansonsten schwankend und häufig das Gefühl als wäre ich der Ohnmacht nahe. Die Benommenheit fühlt sich wie besoffen an. Man hat große Probleme sich zu konzentrieren oder ein vernünftiges Gespräch zu führen. Ach ja: Sehstörungen hatte ich auch noch und Lichtempfindlichkeit.

Schwindelhelfer.de: Was hat dir dann geholfen? Gab es einen Wendepunkt?

Georg: Es wurde zunächst immer schlimmer, so dass ich mich kaum noch aus der Wohnung getraut habe. Ich fühlte mich nur im Liegen sicher. Es gab ingesamt vielleicht 10 Panikattacken im Abstand von Tagen, manchmal Wochen. Ich war sicher dass körperlich etwas nicht stimmte, aber alle Untersuchungen waren ohne Befund. Ich habe mich dann doch dazu durchgerungen, eine Psychotherapie zu beginnen. Die Therapeutin fand aber auch keine konkreten Anhaltspunkte, was der Auslöser sein könnte. Ich ging über 1 Jahr lang jede Woche hin, aber die Symptome gingen nicht weg. Trotzdem war es wichtig für mich, dass ich diese Therapie versucht habe. Ich habe mich dann mehr und mehr mit Entspannungsverfahren beschäftigt und täglich progressive Muskelentspannung durchgeführt. Außerdem habe ich - wie ihr es ja auch empfiehlt - einen täglichen Morgenlauf gestartet und zwar jeden Tag, egal ob es regnet, schneit oder ich im Urlaub war. Ich bin auf das Thema Atmung gestoßen und wollte dies auch noch probieren. Ein Arzt untersuchte dann meine Atemluft und ich bekam die Diagnose chronische Hyperventilation. Ich erfuhr, dass quasi alle Menschen mit Panikattacken an einer chronischen Hyperventilation leiden. Ich habe mich dann intensiv mit Atemübungen beschäftigt und weitere Entspannungsverfahren, die die Atmung einbeziehen, erlernt. Die Panikattacken kamen nicht mehr wieder und auch meine Angst sowie die weiteren Symptome sind verschwunden.

Schwindelhelfer.de: Was denkst Du, was der Auslöser war?

Georg: Ich weiß es bis Heute nicht, vielleicht hat mir hier mein Unterbewusstsein einen Streich gespielt. Vielleicht spielen hier auch erbliche Faktoren eine Rolle. Aber ich weiß jetzt wie Panikattacken entstehen und was man dagegen tun kann.

Schwindelhelfer.de: Was würdest Du jetzt anders machen?

Georg: Mehr mit sich selbst beschäftigen und systematisch vorgehen. Man kann eigentlich nach dem Ausschlussprinzip vorgehen und eine mögliche Ursache nach der anderen abhaken. Ich habe dass ziemlich chaotisch gemacht und dadurch viel Zeit und Nerven verloren.

Schwindelhelfer.de: Hast Du weitere Tipps für die Schwindelhelfer-Community?

Georg: Hört auf euren Körper. Versucht auch unkonventionelle Dinge aus. Und wenn es bei der Arbeit mit den Symptomen gar nicht geht: Tretet kürzer. Ich habe die ganze Zeit mit den Symptomen gearbeitet. Das war sicher nicht ideal, da man auch die Untersuchungen und Behandlungen gar nicht unter einen Hut bekommt und unnötiger Stress entsteht.

Schwindelhelfer.de: Georg, danke für das Interview!

Georg: Danke euch! Es würde mich freuen, wenn einigen durch meine Erlebnisse geholfen werden kann.


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