8. Juli 2020 Philipp Markus Wiedmaier Lesezeit: 6 Minuten

Schwindel nach Alkohol schlechter

Jeder kennt dass: zu viel Alkohol führt oft zu Schwindel und Benommenheit. Man fühlt sich betrunken. Alkohol wirkt dehydrierend und kann die Flüssigkeitsmenge im Innenohr verändern. Widersprüchliche Signale gehen an das Gehirn und es kann Schwindel und Benommenheit entstehen. Das Gleichgewicht kann beeinträchtigt werden. Man fühlt den Gehirnnebel im Kopf und hat Probleme geradeaus zu laufen.

Schwindel nach Alkohol

Schwindel bessert sich nach Alkohol

Es gibt viele Schwindel-Betroffene die diesen Zustand auch ohne Alkohol kennen. Das Kuriose daran: Betroffene fühlen sich wie betrunken, sind sie aber selber betrunken, bessern sich die Beschwerden oft wie von Zauberhand. Bessern sich die Symptome nach Alkohol könnte dies auf einen phobischen Schwankschwindel (neuere Bezeichnung: PPPD) hindeuten. Angstschwindel / Psychogener Schwindel sind ältere Bezeichnungen.

Bei vielen Betroffenen bessern sich die Symptome, also insbesondere die Benommenheit und der Schwankschwindel, nach dem Konsum von Alkohol. Wie viel Alkohol erforderlich ist, ist von Person zu Person unterschiedlich. Viele merken aber bereits nach 1-2 Bier Besserung. Angst, Gangunsicherheit, Benommenheit und schwere Beine sind plötzlich wie weggeblasen. Alkohol hat einen entspannenden und angstreduzierenden Effekt, was bei dieser Schwindelart häufig anschlägt. Man wird mutiger.

Ein Erfahrungsbericht:

Ich kannte bislang nicht die Ursache für den Schwindel und die Benommenheit, da alle Untersuchungen ohne Befund waren. Auf einer Weihnachtsfeier hatte ich dann ein Aha-Erlebnis. Zunächst wollte ich in dem Zustand gar nicht hingehen, da man mit diesen Symptomen und dem Gefühl wie betrunken zu sein, nur sehr schwer an gesellschaftlichen Veranstaltungen teilnehmen kann. Man hat enorme Angst und jederzeit dass Gefühl umzukippen.

Ich bin trotzdem hin und trank im Zeitraum von 2-3 Stunden 2 Weizenbier. Nach dem zweiten Weizen merkte ich plötzlich, dass sich etwas ändert. Dieses beklemmende Angstgefühl jederzeit zusammenzuklappen war weg. Auch die Nackenverspannungen und dieses Schwanken waren plötzlich weg. Ich fühlte mich gut und sicher und konnte plötzlich mit den anderen ohne Probleme kommunizieren und lachen. Ich hatte einen sehr schönen Abend und fühlte mich „wieder normal“, so wie früher.

Am nächsten Tag war aber der alte Zustand wieder da und umso deprimierter war ich. Dass kann doch nicht sein! , Wie kann es mir plötzlich gut gehen nach 2 Weizenbier und jetzt wieder schlecht. Ich ging nochmals zu einem Neurologen (bereits der vierte) und erzählte ihm von der Geschichte mit den Weizenbier. Er sagte es sei ein klares Indiz, dass der Schwindel keine organische Ursache hat, sondern eine psychosomatische. Er vermutete eine Angststörung und empfahl mir eine Psychotherapie.

Während nicht von Schwankschwindel Betroffene also eigentlich nach dem Konsum von Alkohol betrunken und schwankend sein müssten, fühlen sich die phobischen Schwindler bestens und können plötzlich Situationen meistern, die vorher das nackte Grauen waren.

Schwindel Besserung nach Alkohol

Ist Alkohol also die Lösung?

Nein!

Nachdem man nämlich wieder nüchtern ist, geht es einem umso schlechter und die Symptome kommen gefühlt viel stärker zurück. Häufigen Alkoholkonsum sollte man bei Schwindel meiden! Allerdings kann schon die Tatsache, dass man keine organische Erkrankung hat und sozusagen den Beweis hat, schon enorm viel bewirken im Kopf.

Besserung nach Alkohol ist Hinweis auf Schwindelursache

Eine Besserung nach Alkohol ist also ein Hinweis für die Schwindelursache. Ärzte fragen deshalb häufig:

„Wird Ihr Schwindel besser nachdem Sie Alkohol getrunken haben?“

Ziel sollte es sein OHNE ALKOHOL den gleichen entspannenden, angstfreien und selbstbewußten Zustand zu erreichen, dann bestehen gute Chancen den Schwindel und die Benommenheit loszuwerden.

Benommenheit Alkohol

Hilfe bei Schwindel

In unserem Selbsthilfebereich findest Du viele Videos, Erfahrungsberichte und Tipps, wie man sich bei Schwindel ohne organische Ursache selbst helfen kann.
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Häufige Fragen zu Schwindel und Alkohol

Viele Betroffene wundern sich, warum Alkohol Schwindel auslösen kann – und warum er bei manchen scheinbar kurzfristig sogar hilft.
Hier findest du die wichtigsten Fragen und Antworten als erste Orientierung.
Diese Inhalte ersetzen keine ärztliche Diagnose oder Therapie.

Warum kann Alkohol Schwindel und Benommenheit auslösen?
Alkohol wirkt unter anderem dehydrierend und kann die Flüssigkeitsverhältnisse im Körper beeinflussen – auch im Innenohr.
Dadurch können widersprüchliche Signale an das Gehirn entstehen, das Gleichgewicht wird schlechter und es kommt zu Schwindel,
Benommenheit, „Gehirnnebel“ und Gangunsicherheit.
Warum berichten manche, dass sich Schwindel nach Alkohol plötzlich bessert?
Einige Betroffene (insbesondere mit Benommenheit und Schwankschwindel) berichten,
dass sich die Symptome nach Alkohol deutlich reduzieren – teils schon nach 1–2 Bier.
Eine mögliche Erklärung ist der entspannende und angstreduzierende Effekt von Alkohol.
Wenn Angst, Anspannung und Verspannungen den Schwindel stark mit antreiben, kann die kurzfristige Entspannung die Symptome dämpfen.
Ist eine Besserung nach Alkohol ein Hinweis auf PPPD bzw. phobischen Schwankschwindel?
Eine Besserung nach Alkohol wird von manchen Ärzten als Indiz gewertet,
dass eher keine klare organische Ursache im Vordergrund steht, sondern dass Stress, Angst und psychovegetative Faktoren eine große Rolle spielen könnten.
Das passt häufig zu PPPD (phobischer Schwankschwindel / Angstschwindel), ist aber kein „Beweis“ und ersetzt keine Diagnostik.
Wie viel Alkohol „reicht“ bei manchen, um eine Veränderung zu spüren?
Das ist individuell. Viele berichten von einer spürbaren Besserung bereits nach 1–2 Bier,
andere merken erst bei mehr Alkohol eine Veränderung – und manche merken gar keinen Effekt.
Wichtig: Der kurzfristige Effekt sagt nichts darüber aus, ob Alkohol als „Therapie“ taugt.
Warum geht es vielen am nächsten Tag wieder schlechter?
Sobald der Alkohol abgebaut ist, kehren die Symptome oft zurück – teils gefühlt stärker.
Gründe können Dehydrierung, schlechter Schlaf, Reizung des vegetativen Nervensystems,
sowie ein „Rebound“ von Angst und Anspannung sein. Viele erleben dadurch am Folgetag mehr Benommenheit und Unsicherheit.
Ist Alkohol eine sinnvolle Lösung gegen Schwindel?
Nein. Alkohol kann zwar kurzfristig Symptome dämpfen, ist aber keine nachhaltige Lösung und kann langfristig sogar verschlechtern.
Ziel sollte sein, den entspannten, angstfreien Zustand ohne Alkohol zu erreichen – z. B. über Atmung, Entspannung,
Stressreduktion, Bewegungs- und Expositionstraining sowie weitere Selbsthilfe-Ansätze.
Was kann ich aus einer Besserung nach Alkohol für mich ableiten?
Für viele ist es ein wichtiger Hinweis: Wenn der Körper grundsätzlich in der Lage ist, „normal“ zu funktionieren,
sobald Angst/Anspannung runterfährt, kann das Hoffnung machen.
Viele nutzen diese Erkenntnis als Motivation, gezielt an den Triggern Angst, Stress, Atmung und Verspannungen zu arbeiten –
anstatt sich nur auf weitere Diagnosen zu fixieren.
Wann sollte ich bei Schwindel im Zusammenhang mit Alkohol ärztlich abklären?
Wenn Schwindel neu ist, sehr stark auftritt, mit neurologischen Warnzeichen einhergeht
(z. B. Lähmungen, Sprachstörungen, starke Sehstörungen, neue Taubheit),
oder wenn du wiederholt Ohnmachtsgefühle bzw. tatsächliche Ohnmacht hast, sollte das ärztlich abgeklärt werden.
Auch bei regelmäßigem Schwindel ohne klare Erklärung ist eine strukturierte Diagnostik sinnvoll.

Philipp Markus Wiedmaier

Zuletzt aktualisiert am 08.01.2026

Autor: Philipp Markus Wiedmaier

Philipp Markus Wiedmaier ist der Gründer von Schwindelhelfer.de und selbst langjährig betroffen von Benommenheitsschwindel (auch bekannt als PPPD). Seit 2018 schreibt er über Symptome, Ursachen und Selbsthilfemethoden.

Sein Buch: Schwindel Helfer – Gemeinsam Schwindelfrei (ISBN: 978-1793479242).

Hinweis: Philipp ist kein Arzt. Die Inhalte beruhen auf eigenen Erfahrungen und ersetzen keine medizinische oder therapeutische Beratung.