8. Februar 2019 Philipp Markus Wiedmaier Lesezeit: 7 Minuten

Blitzschwindel, den Bruchteil einer Sekunde mit Blackout-Gefühl

Ein etwas selteneres Symptom welches manche Betroffene haben ist ein schwer zu beschreibender, sehr kurzer Schwindel. Man könnte ihn Blitzschwindel oder Sekundenschwindel nennen, wobei mit Sekunden nur der Bruchteil einer Sekunde gemeint ist und nicht mehrere Sekunden. Es fühlt sich an wie ein kurzer Blackout, als würde man wegkippen, meist nach vorne oder zur Seite. Das seltsame daran ist, dass man völlig klar im Kopf ist und alles mitbekommt. Nach dem kurzen Blackout ist alles wie vorher. Die Betroffenen haben meist direkt danach starke Angst dass es wieder passiert, ein Gefühl von Hilflosigkeit. Häufig tritt dieses Gefühl im Sitzen auf, z.B. wenn man den PC-Bildschirm fokussiert und sich gerade konzentrieren muss. Völlig unvermittelt tritt dieser Blackout-Schwindel auf. Auch im Stehen tritt er auf, aber seltener im Liegen (Schwindel beim Einschlafen).

Mögliche Ursachen für Blitzschwindel / Sekundenschwindel?

Wir haben uns mit vielen Betroffenen ausgetauscht und auch viele Ärzte zu diesem seltsamen Symptom befragt. Dabei haben sich folgende Bereiche als mögliche Ursachen ergeben:

  • Rein psychische Ursachen: Es könnte sich um Angststörungen bzw. eine Art von Panikattacken handeln.
  • CMD Ursachen: Es könnte sich um kurze Absencen handeln, die aufgrund einer Kieferfehlstellung / Schädigung der Kiefergelenke auftreten, der Blutfluss ist kurzzeitig beeinträchtigt und dann tritt dieser Blitzschwindel auf.
  • HWS Ursachen / Atlas: Eine Fehlstellung des Atlas bzw. Schädigungen am HWS-Bandapparat könnten diese Symptome auslösen.
  • (Chronische) Hyperventilation: Bei starker Anspannung und Stress könnte eine Minderversorgung des Gehirns diese Symptome auslösen.
  • Brain zaps: Absetzsymptom von Antidepressiva mit Stromschlägen.
  • Vestibularisparoxysmie: Gefäß-Nerven-Kontakt, der schwer zu diagnostizieren ist und meist mit Carbamazepin behandelt wird.
Blitzschwindel / Sekundenschwindel

Blitzschwindel / Sekundenschwindel – Ist die HWS die Ursache?

Einschätzung: Alle möglichen Ursachen klingen plausibel. Wir glauben allerdings, dass die einzelnen Bereiche stark zusammenhängen und keine einzelne Ursache isoliert betrachtet werden kann. Wenn es rein psychisch wäre, stellt sich die Frage, warum das Symptom verstärkt im Sitzen und bei Konzentration/Fokussierung auftritt. Zusätzlich zu einer Angststörung könnte also bei diesem Symptom eine Problematik an den Kiefergelenken eine Rolle spielen. Erstaunlich viele Betroffene haben starke Kieferverspannungen und glauben, dass dieses Blackout-Gefühl immer dann auftritt, wenn sie gerade stark pressen – eine mögliche Erklärung warum es vor allem beim konzentrierten Arbeiten am PC auftritt und fast nie z.B. beim Sport. Eine chronische Hyperventilation wird ebenfalls oft zusätzlich vorliegen und die HWS-Muskulatur und die Kiefermuskulatur besonders schnell verspannen. Die Theorie mit den Brain zaps ist in diesem Fall unserer Meinung nach nicht korrekt, da wir einige Betroffene kennen, die noch nie Antidepressiva eingenommen hatten und den „Blackout-Schwindel“ trotzdem haben.

Kurze Blackouts und Sekundenschwindel – Was tun?

Sollte nach gründlicher Untersuchung , z.B. in einer Schwindel Ambulanz, keine Ursache für die Sekundenschwindelattacken festgestellt werden, können wir die alternativen Behandlungsempfehlungen auf Basis der Erfahrung von Betroffenen empfehlen. Schreibe auch auf, in welchen Situationen die Blackouts verstärkt auftreten (Lage, Zeit, Situation), um ggf. ein Muster festzustellen. Versuche dich auch mal zu beobachten, ob Du in dem Moment des Auftretens die Zähne aufeinander presst bzw. allgemein bei Konzentration die Zähne presst. Einige Behandler sehen hier eine mögliche Ursache für diese kurzen „Absencen“. Weitere Tipps bekommst Du in unserem Newsletter zu „Sekundenschwindel / Blitzschwindel – Was hilft?“

Wenn Du es selber schon mit diesen Blitzschwindelattacken zu tun bekommen hast, kannst Du gerne deine Erfahrungen und Einschätzungen teilen. Vielen Dank!

Häufige Fragen zu Blitzschwindel und Sekundenschwindel

Blitzschwindel (Sekundenschwindel) ist für viele schwer einzuordnen, weil er extrem kurz ist und sich wie ein Blackout anfühlt,
obwohl man „klar“ bleibt. Hier findest du die wichtigsten Fragen und Antworten als erste Orientierung.
Diese Inhalte ersetzen keine ärztliche Diagnose oder Therapie.

Was ist Blitzschwindel bzw. Sekundenschwindel?
Damit ist ein extrem kurzer Schwindel gemeint – eher ein Bruchteil einer Sekunde als „mehrere Sekunden“.
Viele beschreiben es wie einen Mini-Blackout oder ein kurzes Wegkipp-Gefühl (oft nach vorne oder zur Seite),
obwohl man im Kopf klar bleibt und alles mitbekommt. Direkt danach ist meist wieder alles wie vorher.
Wie fühlt sich dieser „Blackout-Schwindel“ typisch an?
Häufig: ein kurzer Ruck im System, ein Gefühl von „gleich kippe ich um“, aber ohne tatsächliche Ohnmacht.
Das Paradoxe ist: Viele sind dabei geistig komplett wach. Danach folgt oft sofort Angst, Hilflosigkeit und
die Sorge, dass es gleich wieder passiert.
In welchen Situationen tritt Blitzschwindel besonders häufig auf?
Viele berichten, dass er besonders oft im Sitzen auftritt – z. B. beim konzentrierten Arbeiten am PC,
wenn man den Bildschirm fokussiert oder mental stark „angespannt“ ist. Im Stehen kommt es ebenfalls vor,
im Liegen eher seltener. Manche berichten auch über Schwindel beim Einschlafen.
Warum macht diese Symptomatik oft so viel Angst?
Weil sie völlig unvermittelt kommt und sich wie Kontrollverlust anfühlt („Was war das gerade?“).
Viele haben direkt danach starke Angst vor der nächsten Attacke. Diese Angst kann wiederum Anspannung,
Atmung und Muskelspannung erhöhen – und damit einen Teufelskreis auslösen.
Welche möglichen Ursachen werden bei Blitzschwindel diskutiert?
Diskutiert werden mehrere Bereiche: rein psychische Ursachen (Angst/Panik), CMD/Kiefer (Pressen, Kieferfehlstellung),
HWS/Atlas bzw. Bandapparat, (chronische) Hyperventilation bei Stress, „Brain zaps“ als Absetzsymptom von Antidepressiva,
sowie Vestibularisparoxysmie (Gefäß-Nerven-Kontakt, schwer zu diagnostizieren).
Warum wird oft gesagt, man sollte nicht nur eine Ursache isoliert betrachten?
Weil viele Faktoren sich gegenseitig verstärken können: Angst erhöht Atemfrequenz, das fördert Hyperventilation,
das begünstigt Verspannungen im Nacken und Kiefer. Gleichzeitig berichten viele, dass sie bei Konzentration
unbewusst die Zähne zusammenbeißen oder pressen – was Kiefer- und Nackenmuskeln zusätzlich anspannt.
Häufig wirkt das Gesamtpaket zusammen, nicht nur ein einzelner Auslöser.
Kann das „Zähnepressen beim Arbeiten“ wirklich damit zusammenhängen?
Viele Betroffene vermuten genau das: Der Blitzschwindel tritt auffällig häufig beim fokussierten Arbeiten am PC auf,
also genau in Situationen, in denen man unbewusst den Kiefer anspannt oder presst. Manche Behandler halten kurze
„Absencen“ durch Kieferprobleme oder starken Kieferdruck für möglich. Deshalb kann es sinnvoll sein, das Pressen
bewusst zu beobachten.
Sind „Brain zaps“ immer die Erklärung?
Nicht zwingend. Brain zaps werden häufig als Absetzsymptom von Antidepressiva beschrieben (wie „Stromschläge“ im Kopf).
Es gibt aber Betroffene mit Blitzschwindel, die nie Antidepressiva eingenommen haben. Deshalb passt diese Erklärung
nicht auf jeden Fall.
Was sollte man medizinisch abklären lassen?
Sinnvoll ist eine gründliche Abklärung, z. B. über Hausarzt und je nach Symptomen Neurologie/HNO
oder eine Schwindelambulanz – vor allem, wenn die Attacken neu sind, häufiger werden oder weitere Symptome dazukommen.
Ziel ist, behandelbare organische Ursachen möglichst sicher auszuschließen.
Was kann man selbst tun, wenn keine klare Ursache gefunden wird?
Viele profitieren davon, Muster zu dokumentieren: Situation, Körperhaltung, Uhrzeit, Stresslevel, Atmung,
Bildschirmarbeit, Kaffee, Schlaf, und ob dabei Zähnepressen auffällt. Zusätzlich kann es helfen,
an mehreren Baustellen zu arbeiten (Stress/Angst/Atmung/Verspannungen), statt sich nur auf eine Theorie zu fixieren.
Manche holen sich dazu Input über Erfahrungsberichte und Selbsthilfe-Ansätze.
Warum tritt Blitzschwindel oft nicht beim Sport auf?
Viele berichten, dass die Attacken eher bei stiller Konzentration und „Fokussierung“ kommen (z. B. PC-Arbeit),
aber selten bei intensiver Bewegung. Eine mögliche Erklärung aus Betroffenen-Sicht ist, dass beim Sport
die Atmung anders ist, der Körper „durchblutet“ ist, man weniger presst und mental weniger in der
Kontroll-/Alarmspirale hängt. Das ist individuell, aber für viele ein auffälliges Muster.

Philipp Markus Wiedmaier

Zuletzt aktualisiert am 08.01.2026

Autor: Philipp Markus Wiedmaier

Philipp Markus Wiedmaier ist der Gründer von Schwindelhelfer.de und selbst langjährig betroffen von Benommenheitsschwindel (auch bekannt als PPPD). Seit 2018 schreibt er über Symptome, Ursachen und Selbsthilfemethoden.

Sein Buch: Schwindel Helfer – Gemeinsam Schwindelfrei (ISBN: 978-1793479242).

Hinweis: Philipp ist kein Arzt. Die Inhalte beruhen auf eigenen Erfahrungen und ersetzen keine medizinische oder therapeutische Beratung.