24. Januar 2019 Philipp Markus Wiedmaier Lesezeit: 7 Minuten

Was ist diffuser Schwindel?

Während die beiden Schwindelarten Drehschwindel und Schwankschwindel klar voneinander abgegrenzt werden können, klagen Betroffene von Schwindel häufig noch über eine andere Form – ein diffuser Schwindel, der schwer zu beschreiben ist und in Art, Länge und Intensität stark variiert. Bei diesem diffusen Schwindelgefühl handelt es sich häufig um den Benommenheitsschwindel bzw. den phobischen Schwindel, auch Angstschwindel genannt. Bei diesem diffusen Schwindel ist neben dem Benommenheitsgefühl, oft noch ein Schwankschwindel sowie Schwindelattacken vorhanden. Einige Betroffene klagen auch über sehr kurze Blitzschwindelattacken, ähnlich einem kurzen Blackout sowie Schwindelgefühle beim Einschlafen. Der diffuse Schwindel ist bei vielen mal stärker, dann wieder schwächer und manchmal ist er auch ganz weg, nur um dann wieder zu kommen. Teilweise ist er auch lageabhängig. Im Stehen, beim Laufen und Sitzen oft stärker als z.B. im Liegen oder während intensivem Sport. Dies macht es für Betroffene oft schwierig die genauen Beschwerden beim Arzt zu schildern

Begleitende Symptome beim diffusen Schwindel

Genauso diffus wie der wahrgenommene Schwindel sind auch die begleitenden Symptome: Häufig anzutreffen sind Schmerzen im Nacken, den Schultern und im Rücken sowie eine körperliche Schwäche (rasche Ermüdbarkeit, schwere Beine) und auch Sehstörungen. Kommt man mit diesen diffusen Symptomen zu einem Arzt, fällt der Verdacht natürlich schnell auf Multiple Sklerose (MS), was sich aber nach einer Untersuchung oft als falsch herausstellt. Weitere Symptome können Kopfschmerzen, Muskelzuckungen, Kribbeln & Taubheitsgefühle sowie eine starke Angst und Unruhe sein.

Häufige Untersuchungen und Diagnosen

Neben MS werden teilweise Untersuchungen hinsichtlich Bandscheibenvorfällen, Schlaganfall, Borreliose oder wegen der Begleitsymptome sogar ALS durchgeführt. Häufig ohne Befund. Für die Betroffenen beginnt ein Ärztemarathon und sie werden von einer Untersuchung zur nächsten und von einem Behandler zum nächsten geschickt. Jeder Behandler hat sein eigenes Gebiet und seine eigenen Diagnosen, so dass nach kurzer Zeit schon eine stattliche Anzahl unterschiedlicher Diagnosen vorliegt. Häufig dabei sind:

  • HWS-Syndrom
  • Zervikogener Schwindel
  • Phobischer Schwankschwindel
  • Angststörungen
  • Burnout
  • Depression
  • Vegetative Dystonie
  • Psychosomatose
  • CMD / Costen-Syndrom
  • Fehlhaltung
  • Zu viel Stress
  • Chronische Hyperventilation
  • Zervikobrachialsyndrom
  • Atlasblockade / Kopfgelenksblockade
  • Atlasfehlstellung

Diese Vielzahl an Diagnosen macht es für Betroffene extrem schwierig den Überblick zu behalten und sorgt für zusätzliche Verunsicherung und Angst. Ein großes Problem sind hierbei auch die Wartezeiten auf Untersuchungen: Nächster freier Termin beim Neurologe in 4 Monaten. Der Weg in eine Schwindelambulanz/Schwindelklinik kann hier von Vorteil sein.

Diffuser Schwindel – was tun?

Nach umfassenden Untersuchungen hast Du meist die Diagnose phobischer Schwankschwindel oder gar keinen Befund erhalten (meist liegt dann auch ein phobischer Schwankschwindel vor) und fragst Dich dann: Was tun gegen diesen diffusen Schwindel? Als Therapie sind von der Schulmedizin meist zwei Standardbehandlungen vorgesehen: Psychotherapie und Antidepressiva.

Diffuser Schwindel Was tun

Diffuser Schwindel – Was tun?

In vielen Fällen reichen diese Standardbehandlungen nicht aus oder möchten von den Betroffenen auch nicht in Anspruch genommen werden (Abneigung gegenüber Antidepressiva). Es gibt darüber hinaus viel was Du selber tun kannst. Wir haben die Erfahrungen hierzu im Schwindelhelfer Buch zusammengefasst. Wir teilen außerdem viele hilfreiche Tipps in unserem Newsletter „Diffuser Schwindel – Was hilft?“. Du kannst Dich hier eintragen und bekommst dann viel Input, Erfahrungsberichte und Interviews von anderen Betroffenen.

Häufige Fragen zum diffusen Schwindel

Diffuser Schwindel ist für viele besonders belastend, weil er schwer zu beschreiben ist, stark schwanken kann
und oft mit weiteren Symptomen wie Benommenheit, Unsicherheit oder Angst einhergeht. Hier findest du die wichtigsten
Fragen und Antworten als erste Orientierung. Diese Inhalte ersetzen keine ärztliche Diagnose oder Therapie.

Was ist diffuser Schwindel?
Diffuser Schwindel ist eine Schwindelform, die sich nicht klar als Drehschwindel (Karussellgefühl) oder
Schwankschwindel (Bootgefühl) einordnen lässt. Betroffene beschreiben ihn oft als „schwer zu greifen“,
wechselhaft in Intensität und Dauer und insgesamt schwer erklärbar – auch beim Arzt.
Ist diffuser Schwindel dasselbe wie Benommenheitsschwindel oder Angstschwindel?
Häufig ja. In vielen Fällen handelt es sich beim diffusen Schwindelgefühl um Benommenheitsschwindel
oder um phobischen Schwindel (auch Angstschwindel genannt). Oft kommen dabei zusätzlich Schwankschwindel
und manchmal auch Schwindelattacken vor.
Welche Schwindelarten und Attacken können beim diffusen Schwindel zusätzlich auftreten?
Viele berichten neben der Benommenheit über Schwankschwindel, wiederkehrende Schwindelattacken,
sehr kurze Blitzschwindelattacken (wie ein kurzer Blackout) oder Schwindelgefühle beim Einschlafen.
Die Symptome können sich im Verlauf stark verändern: mal stärker, mal schwächer, manchmal ganz weg – und dann wieder da.
Warum ist diffuser Schwindel so schwer beim Arzt zu beschreiben?
Weil Art, Länge und Intensität stark variieren können – und weil Betroffene nicht eindeutig sagen können,
ob es eher Drehen, Schwanken oder „nur“ ein komisches Gefühl im Kopf ist. Zusätzlich können viele Begleitsymptome
gleichzeitig auftreten, was die Einordnung noch schwieriger macht.
Wann ist diffuser Schwindel oft stärker – und wann eher besser?
Viele berichten, dass er im Stehen, Sitzen und beim Laufen stärker ist als im Liegen oder während intensivem Sport.
Teilweise ist er auch lageabhängig. Diese Schwankungen sind typisch und verstärken oft die Verunsicherung.
Welche Begleitsymptome treten beim diffusen Schwindel häufig auf?
Häufig genannt werden Nacken-, Schulter- und Rückenschmerzen, körperliche Schwäche (z. B. rasche Ermüdbarkeit,
schwere Beine), Sehstörungen sowie Kopfschmerzen. Außerdem können Muskelzuckungen, Kribbeln und Taubheitsgefühle
auftreten – und oft auch starke Angst, Unruhe und Anspannung.
Warum denken viele bei diffusen Symptomen zuerst an schwere Erkrankungen wie MS?
Weil die Symptome breit und unspezifisch sein können (z. B. Sehstörungen, Schwäche, Kribbeln, Taubheit).
Dadurch fällt bei Ärzten und Betroffenen oft schnell der Verdacht auf Erkrankungen wie Multiple Sklerose (MS).
Nach Untersuchungen stellt sich das jedoch bei vielen als falsch heraus.
Welche Untersuchungen werden bei diffusem Schwindel häufig gemacht?
Neben Abklärungen in Richtung MS werden teils Untersuchungen wegen Bandscheibenvorfällen, Schlaganfall,
Borreliose oder – aufgrund der Begleitsymptome – sogar ALS durchgeführt. Häufig bleiben diese Untersuchungen ohne Befund,
wodurch bei Betroffenen nicht selten ein Ärztemarathon startet.
Welche Diagnosen bekommen Betroffene bei diffusem Schwindel besonders häufig?
Häufig genannt werden HWS-Syndrom, zervikogener Schwindel, phobischer Schwankschwindel, Angststörungen,
Burnout, Depression, vegetative Dystonie, Psychosomatose, CMD/Costen-Syndrom, Fehlhaltung, „zu viel Stress“,
chronische Hyperventilation, zervikobrachiales Syndrom sowie Atlasblockade/Atlasfehlstellung.
Viele erhalten mehrere Diagnosen parallel, was oft zusätzlich verunsichert.
Warum verstärkt die Vielzahl an Diagnosen oft die Angst?
Weil widersprüchliche Einschätzungen und ständig neue Verdachtsdiagnosen den Überblick erschweren.
Dazu kommen lange Wartezeiten auf Termine und Untersuchungen. Diese Unsicherheit kann Angst und Anspannung erhöhen –
was die Symptome wiederum verstärken kann.
Kann eine Schwindelambulanz oder Schwindelklinik hilfreich sein?
Ja, der Weg in eine Schwindelambulanz bzw. Schwindelklinik kann hilfreich sein, weil dort häufig strukturierter
und interdisziplinärer untersucht wird. Das kann besonders dann sinnvoll sein, wenn man in vielen Einzeluntersuchungen
keinen klaren Befund bekommt.
Was sind die Standardbehandlungen, wenn keine organische Ursache gefunden wird?
Wenn nach umfassender Diagnostik kein klarer organischer Befund vorliegt, lautet die Diagnose häufig
phobischer Schwankschwindel (oder es heißt „ohne Befund“, was oft in die gleiche Richtung geht).
Standardmäßig werden dann oft Psychotherapie und Antidepressiva empfohlen.
Was tun, wenn Psychotherapie oder Antidepressiva nicht ausreichen oder nicht in Frage kommen?
Viele Betroffene möchten diese Standardwege nicht gehen oder erleben nicht genug Besserung.
Es gibt darüber hinaus vieles, was man selbst ausprobieren kann – insbesondere wenn Angst, Verspannungen,
Stress und Gewohnheitsmuster den Schwindel mit antreiben. Erfahrungen und hilfreiche Ansätze werden im Schwindelhelfer-Buch
sowie im Newsletter „Diffuser Schwindel – Was hilft?“ thematisiert.

Philipp Markus Wiedmaier

Zuletzt aktualisiert am 08.01.2026

Autor: Philipp Markus Wiedmaier

Philipp Markus Wiedmaier ist der Gründer von Schwindelhelfer.de und selbst langjährig betroffen von Benommenheitsschwindel (auch bekannt als PPPD). Seit 2018 schreibt er über Symptome, Ursachen und Selbsthilfemethoden.

Sein Buch: Schwindel Helfer – Gemeinsam Schwindelfrei (ISBN: 978-1793479242).

Hinweis: Philipp ist kein Arzt. Die Inhalte beruhen auf eigenen Erfahrungen und ersetzen keine medizinische oder therapeutische Beratung.