Warum bleibt der Schwindel nach einem Infekt bestehen – obwohl der Arzt sagt, dass „alles ausgeheilt“ ist und alle Tests normal sind?
Kurzantwort:
Weil ein Infekt das Gleichgewichtssystem, das autonome Nervensystem und teilweise auch den Kreislauf überreizt. Diese Systeme brauchen viel länger zur Erholung als das Immunsystem. Man ist gesund – aber nicht reguliert.
Für viele ist das Gefühl typisch:
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„Ich bin nicht krank, aber auch nicht gesund.“
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„Alles ist stabil – aber nicht wie früher.“
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„Ich fühle mich unsicher, als würde ich schweben.“
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„Bewegung, Supermarkt oder Bildschirmarbeit machen es schlimmer.“
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„Es kommt wellenartig.“
Zusammenfassung:
Die häufigsten Mechanismen für Schwindel nach Infekten:
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Überreiztes Gleichgewichtssystem
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Vestibuläre Restdysfunktion
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Überempfindlicher Hirnstamm
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Dysautonomie (autonomes Nervensystem im Alarmmodus)
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Kreislaufträgerheit / POTS light
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visuelle Reizüberforderung
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„Brain Fog“ nach entzündlichen Prozessen
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Störung der Atemmechanik
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Spannungsanstieg im Nacken
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Postvirale Erschöpfung
Diese Kombination erzeugt einen Zustand, der medizinisch völlig real ist – aber diagnostisch fast immer unter dem Radar bleibt.
1. Warum Infekte Schwindel auslösen – selbst nach Genesung
Infekte wirken wie ein „Reset“, aber nicht im positiven Sinn. Sie greifen in drei hochsensible Systeme ein:
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Gleichgewicht
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Nervensystem
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Kreislaufregulation
Diese Systeme benötigen Wochen bis Monate, um sich wieder zu normalisieren.
Was Infekte im Körper auslösen:
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Entzündungsbotenstoffe → Reizbarkeit der Nerven steigt
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Flüssigkeitsverlust → Blutvolumen sinkt
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gestörter Schlaf → Nervensystem überaktiv
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Atemmuster verändert → Schwindelgefühl
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weniger Bewegung → Gleichgewicht unterfordert
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Stress durch Krankheit → sensibler Hirnstamm
Das Ergebnis:
Der Infekt ist weg – das System bleibt instabil.
2. Das Gleichgewichtssystem wird empfindlich – die echte Ursache vieler Symptome
Infekte belasten das vestibuläre System.
Wie?
- Innenohr entzündet oder irritiert
- Nervenbahnen gereizt
- Botenstoffe verändert die Signalverarbeitung
- Beteiligung der oberen Halswirbelsäule
- visuelle Verarbeitung überaktiv
Folge:
- Schwankschwindel
- Benommenheit
- instabiles Sehen
- Übelkeit
- „Wattegefühl“ im Kopf
- Reizüberempfindlichkeit in Menschenmengen
Viele erleben:
„Ich sehe normal, aber mein Gehirn kommt nicht hinterher.“
3. Das autonome Nervensystem bleibt im Alarmmodus
Nach einem Infekt bleibt der Sympathikus oft zu lange aktiv.
Symptome:
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Schwindel beim Aufstehen
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Herzrasen
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Brain Fog
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Druck im Kopf
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Unruhe
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schlechte Belastbarkeit
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Flachatmung
Das nennt man postinfektiöse Dysautonomie – eine echte, körperliche Reaktion, kein psychisches Phänomen.
4. POTS light – die häufigste Form von „Schwindel beim Aufstehen“ nach Infekten
Viele entwickeln eine milde Form von POTS:
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Beim Aufstehen → Herzrasen
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Benommenheit
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Schwarzwerden vor Augen
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Unruhe
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weiche Knie
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Erschöpfung nach warmen Duschen
Warum?
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Blutvolumen sinkt durch Fieber & Schwitzen
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Gefäße reagieren träger
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Nervensystem überreizt
5. Reizüberflutung – der Supermarkt wird zum Problem
Viele fühlen sich nach Infekten in:
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Supermärkten
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Menschenmengen
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visuellen Umgebungen
-
bei schnellen Bewegungen
überfordert.
Warum?
Der Hirnstamm ist nach Infekten hypersensibel.
Das macht das Gleichgewichtssystem anfälliger.
6. Brain Fog – das unsichtbare Symptom
Viele berichten:
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„Ich fühle mich wie betrunken, aber klar.“
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„Mein Kopf ist irgendwie schwer.“
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„Ich kann mich nicht konzentrieren.“
Das liegt an:
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veränderter Durchblutung
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niedriger Energieverfügbarkeit
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postinflammatorischen Prozessen
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Nervensystemüberlastung
7. Atemmechanik – unterschätzter Schwindeltrigger
Nach Infekten ist die Atmung oft:
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flach
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zu schnell
-
angespannt
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unregelmäßig
Das führt zu:
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Benommenheit
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Druck im Kopf
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Schwindel bei Belastung
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Schwächegefühl
8. Nackenverspannung – ein weiterer Auslöser
Infekte + Bettruhe + Schonhaltung → verspannter Nacken.
Der Nacken steuert Gleichgewichtsreize.
Ein verspannter Nacken → verstärkte Fehlsignale.
9. „Warum sieht man nichts im MRT?“ – die häufigste Frage
Ganz einfach:
-
Infekte hinterlassen funktionelle Spuren
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keine strukturellen
MRT erkennt:
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Tumore
-
Blutungen
-
Schäden
Aber nicht:
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Nervensystemüberreizbarkeit
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Dysautonomie
-
Gleichgewichtsinstabilität
-
visuelle Überlastung
-
Migräneähnliche Restzustände
Darum ist „alles normal“, obwohl etwas nicht normal funktioniert.
10. Wie lange dauert Schwindel nach Infekten?
Typische Erholungszeiträume:
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milde Fälle: 2–6 Wochen
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moderate Fälle: 6–12 Wochen
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schwere Fälle: 3–12 Monate
Einige erleben wellenartige Rückfälle, besonders nach:
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Stress
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Schlafmangel
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Alkohol
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Überanstrengung
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Bildschirmarbeit
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Reisen
11. Warum Long Covid so oft Schwindel macht
Long Covid ist im Grunde ein verstärkter Version derselben Mechanismen:
- autonomes Nervensystem dysreguliert
- Gefäße reaktiv
- Gleichgewicht überempfindlich
- Atemmechanik verändert
- hoher Entzündungsstatus
- Energiestoffwechsel schwach
Aber selbst nicht-Covid-Infekte können sehr ähnliche Effekte machen.
12. Therapie – Was wirklich hilft
1) Flüssigkeit
2–3 Liter am Tag (nach ärztlicher Rücksprache).
2) Salz
Stabilisiert Blutvolumen.
3) leichte Bewegung
Sanft. Häufig. Nicht übertreiben.
4) Atemtraining
Langsam, tief, regulierend.
5) visuelle Exposition
Langsam steigern, nicht vermeiden.
6) Schlafhygiene
Heilt das Nervensystem.
7) Stressregulation
Sympathikus herunterfahren.
8) Vitamin-Check
Vitamin D, B12, Eisen.
9) vestibuläres Training
Sehr wirksam bei Restinstabilität.
Fazit
Schwindel nach Infekten gehört zu den häufigsten, aber am wenigsten verstandenen Beschwerden in der Allgemeinmedizin. Viele Menschen sind nach einem Virus nicht mehr „krank“, aber auch nicht mehr stabil. Das Gleichgewichtssystem ist gereizt, das autonome Nervensystem überaktiv, der Kreislauf träge, die Atmung verändert. Diese Kombination erzeugt genau jene Benommenheit, Unsicherheit und Schwanksymptomatik, die Betroffene so belastet.
Wichtig ist: Das ist kein Einbildung, keine Schwäche, kein psychisches Problem – es ist eine biologische Reaktion eines Systems, das noch nicht vollständig regeneriert ist. Und genauso wie ein Muskel nach einer Verletzung Zeit braucht, braucht das Nervensystem Zeit, Bewegung und richtige Signale, um wieder stabil zu werden.
Die meisten erleben eine klare Besserung, sobald sie verstehen, was passiert – und ihr Verhalten entsprechend anpassen. Schwindel nach Infekten ist in der Regel vorübergehend, aber nicht passiv. Wer aktiv gegensteuert, kommt schneller wieder in sein Gleichgewicht zurück. Und genau dafür ist dieser Artikel da: um deinem Körper ein neues Gleichgewicht beizubringen.
Häufige Fragen zu Schwindel nach Infekten
Viele Menschen entwickeln Schwindel, Benommenheit oder Unsicherheit nach Infekten.
Ursache ist meist keine strukturelle Schädigung, sondern eine vorübergehende
Fehlregulation des Nervensystems.
Kann ein Infekt Schwindel verursachen?
nachhaltig irritieren.
Wie lange hält Schwindel nach einem Infekt an?
und Regeneration ab.
Warum ist der Schwindel wellenartig?
wechseln sich ab.
Warum wird mir beim Aufstehen schwindelig?
Warum macht der Supermarkt nach Infekten Probleme?
Ist Schwindel nach Infekten gefährlich?
Kann man das messen?
nicht im MRT.
Hilft Bewegung bei postinfektiösem Schwindel?
des Nervensystems.
Hilft Salz?
Kann der Schwindel zusätzlich vom Nacken kommen?
Warum fühlt sich alles so unwirklich an?
(Derealisation).
Kommt das von Long Covid?
Nervensystemstörungen.
Hilft Ausruhen?
die Erholung.
Hilft Training?
ist entscheidend.
Kann das psychisch sein?
jedoch verstärken.
Hilft Atemtraining?
Kommt der Schwindel wieder?
Muss man damit zum Arzt?
Warum sieht man im MRT nichts?
nicht um eine strukturelle Schädigung.
Was ist der wichtigste Schritt bei Schwindel nach Infekten?
sanfte Bewegung kommen.
