8. Mai 2019 Philipp Markus Wiedmaier Lesezeit: 9 Minuten

Was ist Benommenheitsschwindel?

Bei vielen Schwindelerkrankungen lässt sich der Schwindel klar als Schwankschwindel (wie auf einem Boot) oder als Drehschwindel (wie im Karussell) beschreiben. Es gibt aber mit dem Benommenheitsschwindel noch eine weitere Schwindelart, bei der die Benommenheit ein Hauptsymptom ist. Betroffene müssen hierbei also weder das Gefühl haben zu schwanken, noch sich zu drehen.


Sehr häufig kommt die Benommenheit, aber zusammen mit einem Schwankschwindel und manchmal auch einem Drehschwindel. Charakteristisch ist hierbei, dass die Benommenheit oft viele Stunden bzw. sogar dauerhaft anhält. Einige Betroffene haben also 24 Stunden am Tag dieses Benommenheitsgefühl. Bei vielen ist es aber abhängig von Zeit, Lage und Ort.

Eine Besserung wird meist in Ruhe z.B. im Liegen und zuhause angegeben. Eine Verschlechterung unterwegs, vor allem beim Einkaufen oder in stressigen Situationen. Ist die stressige Situation vorbei, hält das Benommenheitsgefühl oft noch viele Stunden an. Meist ist es früh morgens sowie am späten Abend etwas besser.

Benommenheitsschwindel

Was ist Benommenheitsschwindel?

Was ist Benommenheit?

Betroffene beschreiben die Benommenheit als diffusen Schwindel. Häufige Formulierungen sind:

  • wie betrunken / wie nach zu viel Alkohol
  • wie ein Schwindel im Kopf / als wäre man nicht klar im Kopf
  • als wäre man nicht sich selbst (Derealisation)
  • ein Müdigkeitsgefühl im Kopf / als würde man demnächst umfallen
  • Sehstörungen / man sieht alles verschwommen bzw. wie durch ein Milchglas
  • Lichtempfindlichkeit / grelles Licht (z.B. in Läden) oder intensives Sonnenlicht wird nicht mehr gut vertragen.

Charakteristisch beim Benommenheitsschwindel ist, dass Betroffene ihn nur schwer beschreiben können. „Es fühlt sich irgendwie wie ein Schwindelgefühl im Kopf an, ist aber nicht immer da“ oder „als hätte ich einen Vollrausch“.

Welche weiteren Symptome liegen oft vor?

Sehr häufig wird der Benommenheitsschwindel begleitet von Schwankschwindel und Gangunsicherheit, Angst & Panik, Verspannungen (insbesondere Nackenschmerzen, Rückenschmerzen, Kieferschmerzen und Kopfschmerzen) sowie Sehstörungen, die dazu beitragen, dass man sich wie besoffen fühlt. Einige Betroffene klagen auch über Muskelzuckungen bzw. Taubheitsgefühle. Die Angst jederzeit in Ohnmacht zu fallen liegt häufig vor.
Wir haben hier alle weiteren Symptome zusammengefasst, die Betroffene schon angegeben haben.

Benommenheitsschwindel Ursachen?

Es gibt viele Schwindel Ursachen. Beim Benommenheitsschwindel werden Betroffene vor allem mit folgenden Ursachen konfrontiert.

  • Stress als Ursache / Chronische Hyperventilation: Übermäßige Belastung über einen längeren Zeitraum oder einmalige, sehr intensive Stress-Situationen, z.B. auch starke Konflikte, veränderte Lebenssituationen. Dieser Stress führt nicht selten zu einer chronischen Hyperventilation, bei der ein zu geringer Kohlendioxidspiegel die Symptome auslösen kann.
  • Psychische Ursachen: Angststörungen, Depressionen (oft auch versteckte / larvierte Depressionen) umgangssprachlich auch als Burnout bezeichnet. Hier gibt es starke Verknüpfungen zum Thema Stress.
  • HWS / Nacken: Die Halswirbelsäule (HWS) als Ursache des Benommenheitsschwindels wird sehr kontrovers diskutiert. Befürworter dieser Theorie gehen davon aus, dass Fehlstellungen der Halswirbel (insbesondere der 1. Halswirbel Atlas und der 2 Halswirbel Axis) bzw. Schäden an der HWS (z.B. an den Alarbändern) zu muskulären Dysbalancen bzw. eine Instabilität der Halswirbelsäule führen und damit Schwindelgefühle und die Benommenheit auslösen. Auch ein Bandscheibenvorfall wird manchmal in Zusammenhang mit diesen Symptomen gebracht.
  • CMD: Eine Fehlstellung oder Schädigung des Kiefergelenks bzw. ein falscher Biss wird ebenfalls als Ursache von Benommenheit & Schwindel angesehen. Ähnlich wie bei der HWS ist CMD als Ursache sehr umstritten. Dennoch machen fast alle Betroffene früher oder später Bekanntschaft mit den Beißschienen und erhalten oft die Diagnose CMD.
  • Verspannungen: Verspannungen treten natürlich bei allen oben genannten Bereichen (z.B Nackenverspannungen oder Kieferverspannungen) auf und können ebenfalls Schwindel auslösen. Die entscheidende Frage ist, was konkret die Verspannungen auslöst und warum diese – trotz Behandlungen – häufig wieder kommen.
  • Nährstoffmangel / Vitaminmangel: Ein Mangel an Vitamin B12 oder Vitamin D wird ebenfalls in Zusammenhang mit dem Benommenheitsschwindel gesehen. Viele Betroffene lassen ihre Werte und auch weitere Werte wie z.B. Calcium oder Eisen untersuchen. Mikronährstoffe sind hilfreich.
  • Vestibularisparoxysmie: Ein neurovaskuläres Kompressionssyndrom des achten Hirnnerven steht ebenfalls in Verdacht diese Symptome auslösen zu können.
  • Schilddrüse / Hashimoto: Eine Fehlfunktion der Schilddrüse findet man auch häufig in Zusammenhang mit der Benommenheit. Die Erkrankung Hashimoto-Thyreoiditis wird hier häufig genannt.

Mit welchen Ärzten und Behandlern haben Betroffene beim Benommenheitsschwindel meist zu tun?

Einige Betroffene landen nach einer initialen Schwindelattacke häufig in einer Notaufnahme, wo sie häufig ohne konkreten Befund wieder entlassen werden. Ein anderer Teil geht den Weg über den Hausarzt, welcher bei Schwindelbeschwerden häufig zum Neurologen und HNO überweist. Liegen dort keine Befunde vor, kommen oft noch Orthopäden, Zahnärzte, Kieferorthopäden und Psychologen. Ein Ärztemarathon beginnt mit zahlreichen Diagnosen, welche es Betroffenen kaum noch ermöglichen zu durchblicken, was sie jetzt eigentlich genau für einen Befund haben bzw. konkret machen sollen. Eine Untersuchung in einer Schwindelambulanz kann hilfreich sein.

Welche Diagnosen werden beim Benommenheitsschwindel häufig gestellt?

Betroffene erhalten oft die folgenden Diagnosen, wobei fast alle mehrere Diagnosen haben:

  • Phobischer Schwankschwindel / Psychogener Schwindel / Angstschwindel / Somatoformer Schwindel
  • Angststörung / Panikstörung / Panikattacken
  • Depression / Burnout
  • HWS-Syndrom / Fehlhaltung / Zervikogener Schwindel
  • CMD
  • zu viel Stress
  • Vestibularisparoxysmie
  • Hashimoto-Thyreoiditis
  • Vitamin B12 Mangel / Vitamin D Mangel

Besserung nach Alkohol

Das Kuriose an dem Benommenheitsschwindel ist: Betroffene fühlen sich wie betrunken, sind sie aber selber betrunken, bessern sich die Beschwerden oft. Bei fast allen Betroffenen bessern sich die Symptome, also insbesondere die Benommenheit und der Schwankschwindel, nach dem Konsum von Alkohol. Wie viel Alkohol erforderlich ist, ist von Person zu Person unterschiedlich. Viele merken aber bereits nach 1-2 Bier deutliche Besserung.

Benommenheitsschwindel Besserung nach Alkohol

Benommenheitsschwindel – Besserung nach Alkohol

Behandlung des Benommenheitsschwindels – Was tun?

Für die Behandlung wäre es ideal, zuvor die genaue Ursache zu kennen. Leider ist dies in den allerwenigsten Fällen gegeben. Meist haben Betroffene gleich mehrere Diagnosen und wissen nicht ob es von Stress, Verspannungen, der Psyche, HWS, CMD oder irgendetwas anderes kommt. Oft landen sie dann auf der falschen Schiene. Es werden z.B. die ganze Zeit Physiotherapiesitzungen durchgeführt, während das eigentliche Problem der Verspannungen, gar nicht die HWS war, sondern eine versteckte Depression. Oder umgekehrt: Es werden Antidepressiva eingenommen, die dann zu noch mehr Nebenwirkungen und Symptomen führen, während eigentlich eine chronische Hyperventilation vorlag.
Wir sind im Schwindelhelfer Buch auf die Standardbehandlungen und auf alternative Behandlungsmöglichkeiten eingegangen, die sich auf Basis der Erfahrungen von Betroffenen, herauskristallisiert haben. Wichtig ist, dass Du auf keinen Fall irgendetwas ausschließt und dich nur auf bestimmte Bereiche fokussierst (z.B. „das muss von der HWS kommen“). Von vielen Betroffenen wissen wir, dass am Ende ihre korrekte Diagnose völlig anders war, als sie es eigentlich erwartet haben.

Benommenheitsschwindel Erfahrungen + Tipps

Wir haben einen Newsletter zum Benommenheitsschwindel, in dem wir regelmäßig Tipps und Erfahrungen teilen. Einfach hier Deine E-Mail eintragen und wir senden Dir Tipps, wie du diese lästigen Symptome loswerden kannst.

Sofort Zugriff auf alle Erfahrungen, Tipps und Videos bekommst Du im Selbsthilfe-Bereich.

Häufige Fragen zum Benommenheitsschwindel

Viele Betroffene haben ähnliche Fragen. Hier findest du die wichtigsten Antworten als erste Orientierung.
Diese Inhalte ersetzen keine ärztliche Diagnose oder Therapie.

Was ist Benommenheitsschwindel?
Benommenheitsschwindel ist eine Schwindelart, bei der die Benommenheit ein Hauptsymptom ist.
Betroffene müssen dabei nicht zwingend ein Schwanken (wie auf einem Boot) oder ein Drehen (wie im Karussell) spüren.
Häufig kommt die Benommenheit dennoch zusammen mit Schwankschwindel und manchmal auch mit Drehschwindel vor.
Wie beschreiben Betroffene die Benommenheit?
Häufige Beschreibungen sind: „wie betrunken“, „nicht klar im Kopf“, „Schwindel im Kopf“, „nicht ich selbst“ (Derealisation),
„Müdigkeit im Kopf“ oder das Gefühl, gleich umzufallen. Manche berichten auch von verschwommenem Sehen („wie durch ein Milchglas“)
und Lichtempfindlichkeit, z. B. in Läden oder bei starkem Sonnenlicht.
Wie lange hält Benommenheitsschwindel typischerweise an?
Charakteristisch ist, dass die Benommenheit oft viele Stunden oder sogar dauerhaft anhalten kann.
Einige Betroffene haben das Benommenheitsgefühl rund um die Uhr, bei anderen ist es abhängig von Zeit, Lage und Ort.
Wann ist Benommenheit meist besser oder schlechter?
Viele berichten von einer Besserung in Ruhe, z. B. im Liegen und zuhause. Eine Verschlechterung wird häufig unterwegs beschrieben,
vor allem beim Einkaufen oder in stressigen Situationen. Auch wenn der Stress vorbei ist, kann die Benommenheit noch viele Stunden anhalten.
Oft ist es früh morgens und spät abends etwas besser.
Welche weiteren Symptome treten häufig zusammen mit Benommenheitsschwindel auf?
Häufig genannt werden Schwankschwindel und Gangunsicherheit, Angst und Panik, Verspannungen (z. B. Nacken-, Rücken-, Kiefer- und Kopfschmerzen)
sowie Sehstörungen. Manche berichten auch über Muskelzuckungen oder Taubheitsgefühle. Die Angst, ohnmächtig zu werden, ist oft vorhanden.
Welche Ursachen werden beim Benommenheitsschwindel häufig diskutiert?
Genannt werden unter anderem Stress und chronische Hyperventilation, psychische Ursachen (z. B. Angststörungen oder Depressionen),
HWS/Nacken (kontrovers diskutiert), CMD (Kiefergelenk/falscher Biss), Verspannungen, Nährstoffmängel (z. B. Vitamin B12 oder Vitamin D),
Vestibularisparoxysmie, Schilddrüse/Hashimoto und weitere Faktoren. Häufig ist die genaue Ursache nicht eindeutig.
Welche Ärzte und Behandler sind bei Benommenheitsschwindel oft beteiligt?
Viele gehen zunächst zum Hausarzt und werden häufig an Neurologie und HNO überwiesen. Wenn dort keine Befunde vorliegen,
folgen oft Orthopädie, Zahnärzte/Kieferorthopädie und Psychologie. Manche Betroffene landen nach einer ersten Attacke in der Notaufnahme.
Eine Untersuchung in einer Schwindelambulanz kann hilfreich sein.
Welche Diagnosen werden beim Benommenheitsschwindel häufig gestellt?
Häufig genannt werden phobischer Schwankschwindel/psychogener Schwindel/Angstschwindel/somatoformer Schwindel,
Angst- oder Panikstörung, Depression/Burnout, HWS-Syndrom/Fehlhaltung/zervikogener Schwindel, CMD, „zu viel Stress“,
Vestibularisparoxysmie, Hashimoto-Thyreoiditis sowie Vitamin-B12- oder Vitamin-D-Mangel. Viele Betroffene haben mehrere Diagnosen gleichzeitig.
Warum bessert sich Benommenheitsschwindel bei vielen nach Alkohol?
Viele Betroffene berichten, dass sich Benommenheit und Schwankschwindel nach Alkohol deutlich bessern. Der wahrscheinlichste Grund ist, dass Alkohol angstlösend und muskelentspannend wirkt. Angst, innere Anspannung und erhöhte Muskelspannung spielen bei Benommenheitsschwindel und phobischem Schwankschwindel eine zentrale Rolle. Durch Alkohol werden diese Faktoren kurzfristig reduziert: Die dauerhafte Alarmbereitschaft des Nervensystems nimmt ab, die Körperspannung sinkt und die Wahrnehmung von Schwindel wird abgeschwächt.
Wichtig ist: Alkohol behandelt nicht die Ursache des Schwindels. Nach dem Abbau des Alkohols kehren die Symptome oft verstärkt zurück. Die kurzfristige Besserung gilt daher eher als Hinweis auf eine funktionelle bzw. stress- und angstbedingte Komponente als als Therapieansatz.
Was kann man bei Benommenheitsschwindel grundsätzlich tun?
Idealerweise kennt man vor der Behandlung die genaue Ursache – das ist jedoch oft nicht der Fall.
Da Betroffene häufig mehrere mögliche Auslöser und Diagnosen haben, wird empfohlen, nichts vorschnell auszuschließen
und sich nicht nur auf einen Bereich zu fixieren (z. B. ausschließlich HWS oder ausschließlich Psyche).
Erfahrungen, Standardansätze und alternative Möglichkeiten werden im Schwindelhelfer-Buch und im Newsletter thematisiert.

Philipp Markus Wiedmaier

Zuletzt aktualisiert am 07.01.2026

Autor: Philipp Markus Wiedmaier

Philipp Markus Wiedmaier ist der Gründer von Schwindelhelfer.de und selbst langjährig betroffen von Benommenheitsschwindel (auch bekannt als PPPD). Seit 2018 schreibt er über Symptome, Ursachen und Selbsthilfemethoden.

Sein Buch: Schwindel Helfer – Gemeinsam Schwindelfrei (ISBN: 978-1793479242).

Hinweis: Philipp ist kein Arzt. Die Inhalte beruhen auf eigenen Erfahrungen und ersetzen keine medizinische oder therapeutische Beratung.