13. Februar 2026 Philipp Markus Wiedmaier Lesezeit: 12 Minuten

Kann das Herz Schwindel verursachen – selbst wenn kardiologische Untersuchungen normal sind?

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Kurzantwort:

Ja.
Denn Schwindel entsteht nicht nur durch strukturelle Herzerkrankungen, sondern häufig durch funktionelle Kreislaufregulationsstörungen, Nervensystem-Dysregulationen, Blutdruckschwankungen und Wahrnehmungsfehler.

Schwindel bedeutet nicht: „Das Herz ist krank.“
Schwindel bedeutet oft: „Das System ist nicht optimal abgestimmt.“

Zusammenfassung:

Wichtigste herzbezogene Schwindelmechanismen:

  1. Niedriger Blutdruck → mangelnde Hirndurchblutung → Benommenheit

  2. Hoher Puls → Stresssignale → Wahrnehmungsüberlastung

  3. Herzstolpern (Extrasystolen) → kurze Minderdurchblutung → Unsicherheit

  4. POTS / Orthostatische Tachykardie → Puls steigt beim Aufstehen

  5. Atriale Empfindlichkeit → Herz „fühlt sich groß an“

  6. Kreislaufregulationsstörung → Körper reagiert verzögert

  7. Dysautonomie → Herz arbeitet unregelmäßig bei Stress

  8. Postinfektiöse Herzsensibilität

  9. Hyperventilation → Herzrasen → Schwindel

  10. Zu wenig Blutvolumen / zu wenig Salz

Kardiologisch vieles unauffällig.
Funktionell: deutlich spürbar.

Schwindel Herz Hilfe

1. Warum herzbedingter Schwindel so häufig falsch interpretiert wird

Viele Menschen glauben, Schwindel müsse bedeuten:

  • Herzinfarkt

  • Rhythmusstörung

  • drohende Bewusstlosigkeit

Aber in Wirklichkeit sind in über 80 % der Fälle nicht gefährliche, funktionelle Ursachen verantwortlich:

  • Kreislaufträgheit

  • Stressherz

  • Wahrnehmungsüberempfindlichkeit

  • Blutvolumenmangel

  • Überatmung

  • Hormonfluktuationen

Das erklärt, warum Belastungs-EKG, Langzeit-EKG & Ultraschall oft völlig normal sind – und der Schwindel trotzdem bleibt.

Struktur ok – Regulation gestört.

2. Herzstolpern (Extrasystolen) – der häufigste Auslöser für „Schwankschwindel“

Extrasystolen sind zusätzliche Herzschläge.
Sie fühlen sich an wie:

  • „Plumpsen“

  • „Stolpern“

  • „Leere im Brustkorb“

  • „Aussetzer“

  • „harter Schlag“

Das Problem für den Gleichgewichtssinn:

Nach einer Extrasystole ist der Puls kurzzeitig ineffektiv
weniger Blut ins Gehirn
Mikro-Schwindel, Benommenheit, kurze Unsicherheit.

Bei sensiblen Menschen oft stark spürbar.

Typische Auslöser:

  • Stress

  • Schlafmangel

  • zu viel oder zu wenig Essen

  • Elektrolytmangel

  • Kaffee

  • Alkohol

  • hormonelle Schwankungen

  • Infektnachwirkungen

Extrasystolen sind fast immer harmlos, aber unangenehm.

3. Niedriger Blutdruck – der klassische Benommenheits-Schwindel

Viele Menschen haben dauerhaft:

  • 90/60

  • 100/65

  • 105/70

und spüren:

  • leichte Benommenheit

  • Schwankschwindel

  • weiche Beine

  • Müdigkeit

  • Konzentrationsprobleme

  • Gefühl „wie nicht richtig da“

Warum?
Weil zu wenig Druck da ist, um das Gehirn konstant zu versorgen.

Mit Stress, Hitze, Infekten oder wenig Schlaf verstärkt sich das.

4. Hoher Puls – der unterschätzte Schwindelverstärker

Herzrasen erzeugt einen Zustand, den der Körper wie Bedrohung interpretiert:

  • Wahrnehmung enger

  • Tunnelblick

  • Benommenheit

  • Sehstress

  • Herz-Kopf-Mismatch

  • innere Unruhe

Mechanismen:

  • zu wenig parasympathische Aktivität

  • zu viel Stresshormon

  • zu viel Atmung → CO₂-Abfall → Schwindel

  • Gefäßverengung

Man fühlt sich instabil, obwohl objektiv nichts passiert.

5. Orthostatische Probleme: POTS, POTS light & Kreislaufträgheit

Beim Aufstehen passiert:

  • Blut sackt in die Beine

  • Puls steigt (normal!)

  • Gefäße verengen sich

  • Gehirn bekommt wieder Druck

Wenn dieser Mechanismus gestört ist:

  • Herz rast

  • Benommenheit

  • Schwarz vor Augen

  • Schwindel

  • Panikgefühle

Wichtig:
POTS muss nicht extrem sein.
Es gibt milde Formen, die deutlich spürbar, aber häufig unerkannt bleiben.

6. Postinfektiöse Herzsensibilität

Nach Infekten ist das autonome Nervensystem empfindlicher:

  • Herzschlag stärker spürbar

  • Puls reagiert übertrieben

  • Blutdruck schwankt

  • Extrasystolen häufen sich

  • Schwindel bei Belastung

Das ist kein Herzschaden – sondern eine Regulationsstörung, die Wochen bis Monate dauern kann.

7. Warum Stress das Herz sensibel macht

Stress verursacht:

  • Herzrasen

  • variable Pulsfrequenz

  • Überschuss an Adrenalin

  • Hyperventilation

  • Verspannung im Brustkorb

  • Wahrnehmungsfokus aufs Herz

Das Herz ist „lauter“, nicht kränker.
Das Gehirn interpretiert das als Gefahr – Schwindel ist die Folge.

8. Blutvolumenmangel – unterschätzter Schwindelfaktor

Zu wenig trinken, zu wenig Salz, viel Schwitzen oder Infekte →
→ Blutvolumen sinkt.

Folgen:

  • Herz muss schneller schlagen

  • Benommenheit beim Aufstehen

  • Kreislaufschwäche

  • schnelle Erschöpfbarkeit

Jeder fünfte chronische Schwindelpatient hat ein Volumenproblem.

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Fazit

Das Herz ist nicht nur eine Pumpe – es ist ein zentrales Interface zwischen Kreislauf, Nervensystem, Wahrnehmung und Stressreaktion. Viele Menschen glauben, dass ihr Schwindel auf einer gefährlichen Herzerkrankung beruhen muss, weil Herzsymptome so direkt und so körperlich spürbar sind. Doch in den meisten Fällen handelt es sich nicht um strukturelle Herzprobleme, sondern um funktionelle Unterschiede in der Regulation.

Herzstolpern etwa ist extrem häufig und in 99 % der Fälle harmlos. Trotzdem fühlt es sich dramatisch an, weil es kurzzeitig den Blutfluss destabilisiert. Viele Betroffene geraten dadurch in eine Spirale aus Angst, Stress und verstärkter Körperfokussierung. Das wiederum verstärkt die Extrasystolen, weil Stress die Erregbarkeit des Herzgewebes erhöht.

Niedriger Blutdruck ist ein weiterer häufiger Faktor. Besonders junge Menschen, Frauen, Menschen mit schlanker Statur oder hormonellen Schwankungen sind betroffen. Ein niedriger Blutdruck bedeutet weniger Druck im Gehirn, und selbst kleine Schwankungen reichen aus, um Benommenheit oder Unsicherheit zu erzeugen.

Herzschwindel ist fast immer ein Zusammenspiel aus:

  • Kreislauf

  • Stresshormonen

  • Wahrnehmung

  • Atmung

  • Nervensystem

  • Schlaf

  • Hydration

  • Elektrolyten

Wenn diese Systeme aus der Balance geraten, entsteht ein subjektives Gefühl der Instabilität.

Das bedeutet:
Herzschwindel ist real – aber selten gefährlich.
Und vor allem: Er ist behandelbar.

Mit verbesserter Atmung, mehr Flüssigkeit, ausreichend Salz, Bewegung, Schlafregulation, Stressabbau und, wenn nötig, medizinischer Begleitung stabilisiert sich das System fast immer.

Der wichtigste Punkt:
Schwindel bedeutet nicht „Herzkrankheit“.
Schwindel bedeutet oft: „Der Körper ist aus dem Gleichgewicht geraten.“
Und genau dieses Gleichgewicht kannst du Schritt für Schritt wiederherstellen.

Häufige Fragen zu Schwindel & Herz

Herzbezogener Schwindel ist für Betroffene extrem beängstigend – besonders,
weil Symptome wie Herzrasen, Stolpern oder Benommenheit schnell als „gefährlich“
interpretiert werden. In den meisten Fällen steckt jedoch eine funktionelle
Kreislauf- oder Nervensystemreaktion dahinter.

Kann das Herz Schwindel verursachen?
Ja. Veränderungen von Puls, Blutdruck oder Schlagvolumen können das Gehirn
kurzfristig schlechter versorgen. Das passiert auch bei völlig gesundem Herzen.
Sind Extrasystolen gefährlich?
Fast nie. Bei strukturell gesundem Herzen sind Extrasystolen harmlos –
sie fühlen sich nur dramatisch an, weil sie plötzlich und ungewohnt auftreten.
Warum wird mir beim Aufstehen schwindelig?
Beim Aufstehen sackt kurzzeitig Blut in die Beine ab.
Herz und Gefäße brauchen einen Moment, um gegenzusteuern –
das nennt man orthostatische Kreislaufreaktion.
Kann niedriger Blutdruck Schwindel auslösen?
Ja. Besonders bei schlanken Menschen, nach Infekten,
bei Flüssigkeitsmangel oder längeren Ruhephasen.
Können hohe Pulswerte Schwindel verursachen?
Ja. Ein sehr schneller Puls verkürzt die Füllungszeit des Herzens,
wodurch weniger Blut pro Schlag gepumpt wird.
Was hilft bei Herzrasen?
Ruhige Nasenatmung, verlängertes Ausatmen und körperliche Erdung
aktivieren den Vagusnerv und senken die Herzfrequenz effektiv.
Warum verstärkt Stress Herzschwindel?
Stress erhöht Adrenalin und Noradrenalin.
Das Herz schlägt schneller, kräftiger und wird stärker wahrgenommen –
selbst bei normaler Funktion.
Können Infekte das Herz sensibler machen?
Ja. Nach Virusinfekten reagiert das autonome Nervensystem oft überempfindlich,
was Herzrasen, Schwäche und Benommenheit erklären kann.
Hilft mehr Salz gegen Herzschwindel?
Oft ja. Salz erhöht das Blutvolumen und stabilisiert den Kreislauf –
sofern keine medizinischen Gegenanzeigen bestehen.
Hilft mehr Trinken?
Ja. Ausreichende Flüssigkeit ist eine der wichtigsten Basismaßnahmen
bei Kreislauf- und Herzschwindel.
Kann Eisenmangel Herzschwindel auslösen?
Ja. Eisenmangel reduziert den Sauerstofftransport im Blut
und zwingt das Herz zu Mehrarbeit.
Sind Herzstolperer normal?
Sehr häufig. Viele gesunde Menschen spüren gelegentlich Stolpern –
besonders in Stress- oder Ruhephasen.
Kann Sport Schwindel verursachen?
Ja, vorübergehend – besonders bei Flüssigkeitsmangel,
Elektrolytverlust oder zu schneller Belastungssteigerung.
Können Hormone Herzschwindel auslösen?
Ja. Hormone beeinflussen Gefäßspannung, Puls und Stressreaktionen –
besonders bei Zyklus, Schwangerschaft oder Wechseljahren.
Hilft Magnesium?
Bei Mangel ja. Magnesium kann die nervale Übererregbarkeit senken
und Herzrhythmus beruhigen.
Kann CO₂-Mangel Herzrasen verursachen?
Ja. Flache oder schnelle Atmung senkt den CO₂-Spiegel
und kann Herzrasen, Schwindel und Unruhe auslösen.
Ist Schwindel immer gefährlich?
Nein. In den meisten Fällen ist er funktionell und nicht lebensbedrohlich –
auch wenn er sich extrem bedrohlich anfühlt.
Sollte man ein Langzeit-EKG machen?
Bei Unsicherheit oder häufigen Symptomen ja –
oft reicht ein unauffälliges Ergebnis zur nachhaltigen Beruhigung.
Was ist der wichtigste Schritt?
Kreislauf stabilisieren und das autonome Nervensystem regulieren –
durch Flüssigkeit, Salz, Bewegung, Atmung und Stressabbau.

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Philipp Markus Wiedmaier

Zuletzt aktualisiert am 21.01.2026

Autor: Philipp Markus Wiedmaier

Philipp Markus Wiedmaier ist der Gründer von Schwindelhelfer.de und selbst langjährig betroffen von Benommenheitsschwindel (auch bekannt als PPPD). Seit 2018 schreibt er über Symptome, Ursachen und Selbsthilfemethoden.

Sein Buch: Schwindel Helfer – Gemeinsam Schwindelfrei (ISBN: 978-1793479242).

Hinweis: Philipp ist kein Arzt. Die Inhalte beruhen auf eigenen Erfahrungen und ersetzen keine medizinische oder therapeutische Beratung.