Kann das Herz Schwindel verursachen – selbst wenn kardiologische Untersuchungen normal sind?
Kurzantwort:
Ja.
Denn Schwindel entsteht nicht nur durch strukturelle Herzerkrankungen, sondern häufig durch funktionelle Kreislaufregulationsstörungen, Nervensystem-Dysregulationen, Blutdruckschwankungen und Wahrnehmungsfehler.
Schwindel bedeutet nicht: „Das Herz ist krank.“
Schwindel bedeutet oft: „Das System ist nicht optimal abgestimmt.“
Zusammenfassung:
Wichtigste herzbezogene Schwindelmechanismen:
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Niedriger Blutdruck → mangelnde Hirndurchblutung → Benommenheit
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Hoher Puls → Stresssignale → Wahrnehmungsüberlastung
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Herzstolpern (Extrasystolen) → kurze Minderdurchblutung → Unsicherheit
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POTS / Orthostatische Tachykardie → Puls steigt beim Aufstehen
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Atriale Empfindlichkeit → Herz „fühlt sich groß an“
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Kreislaufregulationsstörung → Körper reagiert verzögert
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Dysautonomie → Herz arbeitet unregelmäßig bei Stress
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Postinfektiöse Herzsensibilität
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Hyperventilation → Herzrasen → Schwindel
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Zu wenig Blutvolumen / zu wenig Salz
Kardiologisch vieles unauffällig.
Funktionell: deutlich spürbar.
1. Warum herzbedingter Schwindel so häufig falsch interpretiert wird
Viele Menschen glauben, Schwindel müsse bedeuten:
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Herzinfarkt
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Rhythmusstörung
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drohende Bewusstlosigkeit
Aber in Wirklichkeit sind in über 80 % der Fälle nicht gefährliche, funktionelle Ursachen verantwortlich:
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Kreislaufträgheit
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Stressherz
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Wahrnehmungsüberempfindlichkeit
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Blutvolumenmangel
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Überatmung
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Hormonfluktuationen
Das erklärt, warum Belastungs-EKG, Langzeit-EKG & Ultraschall oft völlig normal sind – und der Schwindel trotzdem bleibt.
Struktur ok – Regulation gestört.
2. Herzstolpern (Extrasystolen) – der häufigste Auslöser für „Schwankschwindel“
Extrasystolen sind zusätzliche Herzschläge.
Sie fühlen sich an wie:
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„Plumpsen“
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„Stolpern“
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„Leere im Brustkorb“
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„Aussetzer“
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„harter Schlag“
Das Problem für den Gleichgewichtssinn:
Nach einer Extrasystole ist der Puls kurzzeitig ineffektiv →
→ weniger Blut ins Gehirn →
→ Mikro-Schwindel, Benommenheit, kurze Unsicherheit.
Bei sensiblen Menschen oft stark spürbar.
Typische Auslöser:
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Stress
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Schlafmangel
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zu viel oder zu wenig Essen
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Elektrolytmangel
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Kaffee
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Alkohol
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hormonelle Schwankungen
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Infektnachwirkungen
Extrasystolen sind fast immer harmlos, aber unangenehm.
3. Niedriger Blutdruck – der klassische Benommenheits-Schwindel
Viele Menschen haben dauerhaft:
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90/60
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100/65
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105/70
und spüren:
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leichte Benommenheit
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Schwankschwindel
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weiche Beine
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Müdigkeit
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Konzentrationsprobleme
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Gefühl „wie nicht richtig da“
Warum?
Weil zu wenig Druck da ist, um das Gehirn konstant zu versorgen.
Mit Stress, Hitze, Infekten oder wenig Schlaf verstärkt sich das.
4. Hoher Puls – der unterschätzte Schwindelverstärker
Herzrasen erzeugt einen Zustand, den der Körper wie Bedrohung interpretiert:
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Wahrnehmung enger
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Tunnelblick
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Benommenheit
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Sehstress
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Herz-Kopf-Mismatch
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innere Unruhe
Mechanismen:
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zu wenig parasympathische Aktivität
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zu viel Stresshormon
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zu viel Atmung → CO₂-Abfall → Schwindel
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Gefäßverengung
Man fühlt sich instabil, obwohl objektiv nichts passiert.
5. Orthostatische Probleme: POTS, POTS light & Kreislaufträgheit
Beim Aufstehen passiert:
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Blut sackt in die Beine
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Puls steigt (normal!)
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Gefäße verengen sich
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Gehirn bekommt wieder Druck
Wenn dieser Mechanismus gestört ist:
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Herz rast
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Benommenheit
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Schwarz vor Augen
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Schwindel
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Panikgefühle
Wichtig:
POTS muss nicht extrem sein.
Es gibt milde Formen, die deutlich spürbar, aber häufig unerkannt bleiben.
6. Postinfektiöse Herzsensibilität
Nach Infekten ist das autonome Nervensystem empfindlicher:
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Herzschlag stärker spürbar
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Puls reagiert übertrieben
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Blutdruck schwankt
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Extrasystolen häufen sich
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Schwindel bei Belastung
Das ist kein Herzschaden – sondern eine Regulationsstörung, die Wochen bis Monate dauern kann.
7. Warum Stress das Herz sensibel macht
Stress verursacht:
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Herzrasen
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variable Pulsfrequenz
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Überschuss an Adrenalin
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Hyperventilation
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Verspannung im Brustkorb
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Wahrnehmungsfokus aufs Herz
Das Herz ist „lauter“, nicht kränker.
Das Gehirn interpretiert das als Gefahr – Schwindel ist die Folge.
8. Blutvolumenmangel – unterschätzter Schwindelfaktor
Zu wenig trinken, zu wenig Salz, viel Schwitzen oder Infekte →
→ Blutvolumen sinkt.
Folgen:
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Herz muss schneller schlagen
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Benommenheit beim Aufstehen
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Kreislaufschwäche
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schnelle Erschöpfbarkeit
Jeder fünfte chronische Schwindelpatient hat ein Volumenproblem.
Fazit
Das Herz ist nicht nur eine Pumpe – es ist ein zentrales Interface zwischen Kreislauf, Nervensystem, Wahrnehmung und Stressreaktion. Viele Menschen glauben, dass ihr Schwindel auf einer gefährlichen Herzerkrankung beruhen muss, weil Herzsymptome so direkt und so körperlich spürbar sind. Doch in den meisten Fällen handelt es sich nicht um strukturelle Herzprobleme, sondern um funktionelle Unterschiede in der Regulation.
Herzstolpern etwa ist extrem häufig und in 99 % der Fälle harmlos. Trotzdem fühlt es sich dramatisch an, weil es kurzzeitig den Blutfluss destabilisiert. Viele Betroffene geraten dadurch in eine Spirale aus Angst, Stress und verstärkter Körperfokussierung. Das wiederum verstärkt die Extrasystolen, weil Stress die Erregbarkeit des Herzgewebes erhöht.
Niedriger Blutdruck ist ein weiterer häufiger Faktor. Besonders junge Menschen, Frauen, Menschen mit schlanker Statur oder hormonellen Schwankungen sind betroffen. Ein niedriger Blutdruck bedeutet weniger Druck im Gehirn, und selbst kleine Schwankungen reichen aus, um Benommenheit oder Unsicherheit zu erzeugen.
Herzschwindel ist fast immer ein Zusammenspiel aus:
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Kreislauf
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Stresshormonen
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Wahrnehmung
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Atmung
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Nervensystem
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Schlaf
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Hydration
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Elektrolyten
Wenn diese Systeme aus der Balance geraten, entsteht ein subjektives Gefühl der Instabilität.
Das bedeutet:
Herzschwindel ist real – aber selten gefährlich.
Und vor allem: Er ist behandelbar.
Mit verbesserter Atmung, mehr Flüssigkeit, ausreichend Salz, Bewegung, Schlafregulation, Stressabbau und, wenn nötig, medizinischer Begleitung stabilisiert sich das System fast immer.
Der wichtigste Punkt:
Schwindel bedeutet nicht „Herzkrankheit“.
Schwindel bedeutet oft: „Der Körper ist aus dem Gleichgewicht geraten.“
Und genau dieses Gleichgewicht kannst du Schritt für Schritt wiederherstellen.
Häufige Fragen zu Schwindel & Herz
Herzbezogener Schwindel ist für Betroffene extrem beängstigend – besonders,
weil Symptome wie Herzrasen, Stolpern oder Benommenheit schnell als „gefährlich“
interpretiert werden. In den meisten Fällen steckt jedoch eine funktionelle
Kreislauf- oder Nervensystemreaktion dahinter.
Kann das Herz Schwindel verursachen?
kurzfristig schlechter versorgen. Das passiert auch bei völlig gesundem Herzen.
Sind Extrasystolen gefährlich?
sie fühlen sich nur dramatisch an, weil sie plötzlich und ungewohnt auftreten.
Warum wird mir beim Aufstehen schwindelig?
Herz und Gefäße brauchen einen Moment, um gegenzusteuern –
das nennt man orthostatische Kreislaufreaktion.
Kann niedriger Blutdruck Schwindel auslösen?
bei Flüssigkeitsmangel oder längeren Ruhephasen.
Können hohe Pulswerte Schwindel verursachen?
wodurch weniger Blut pro Schlag gepumpt wird.
Was hilft bei Herzrasen?
aktivieren den Vagusnerv und senken die Herzfrequenz effektiv.
Warum verstärkt Stress Herzschwindel?
Das Herz schlägt schneller, kräftiger und wird stärker wahrgenommen –
selbst bei normaler Funktion.
Können Infekte das Herz sensibler machen?
was Herzrasen, Schwäche und Benommenheit erklären kann.
Hilft mehr Salz gegen Herzschwindel?
sofern keine medizinischen Gegenanzeigen bestehen.
Hilft mehr Trinken?
bei Kreislauf- und Herzschwindel.
Kann Eisenmangel Herzschwindel auslösen?
und zwingt das Herz zu Mehrarbeit.
Sind Herzstolperer normal?
besonders in Stress- oder Ruhephasen.
Kann Sport Schwindel verursachen?
Elektrolytverlust oder zu schneller Belastungssteigerung.
Können Hormone Herzschwindel auslösen?
besonders bei Zyklus, Schwangerschaft oder Wechseljahren.
Hilft Magnesium?
und Herzrhythmus beruhigen.
Kann CO₂-Mangel Herzrasen verursachen?
und kann Herzrasen, Schwindel und Unruhe auslösen.
Ist Schwindel immer gefährlich?
auch wenn er sich extrem bedrohlich anfühlt.
Sollte man ein Langzeit-EKG machen?
oft reicht ein unauffälliges Ergebnis zur nachhaltigen Beruhigung.
Was ist der wichtigste Schritt?
durch Flüssigkeit, Salz, Bewegung, Atmung und Stressabbau.
