Warum haben so viele Menschen Schwindel ohne Befund – obwohl MRT, CT und Blutwerte „alles normal“ zeigen?
Kurzantwort:
Weil die häufigsten Schwindelursachen funktionell, nicht strukturell sind.
Das bedeutet:
- Sie betreffen Nerven, Muskeln, Gleichgewicht, Durchblutung, Atmung, Hormone, Stress
- aber NICHT die Art von Schäden, die man im MRT oder CT sieht.
Über 70 % aller Schwindelfälle entstehen durch Veränderungen in Regulation, Spannung, Wahrnehmung, Verarbeitung, Gleichgewicht oder vegetativem Nervensystem – Bereiche, die die klassische Diagnostik nur unzureichend erfasst.
1. Nacken / HWS / Atlas – der König aller funktionellen Schwindelursachen
Der Nacken ist anatomisch direkt mit dem Gleichgewichtsorgan, der Augensteuerung und der Körperwahrnehmung verbunden.
Wenn die oberen Halswirbel C1 (Atlas) und C2 (Axis) dysfunktional sind, senden sie fehlerhafte Signale an den Hirnstamm.
Diese Art Schwindel wird nicht als „Drehen“ empfunden, sondern als:
- Benommenheit
- Unsicherheitsgefühl
- „Watte im Kopf“
- Raumunsicherheit
- Schwankschwindel
- Gefühl, der Boden bewegt sich minimal
Auslöser:
- stundenlanges Sitzen
- Handy-Nacken
- Triggerpunkte im Nacken
- Fehlhaltung
- Anspannung
- Stress (“Schultermantel”)
Typisch:
- morgens besser, abends schlechter
- Kopf drehen verstärkt Symptome
- Druck am Hinterkopf erzeugt Schwindel
Warum MRT/CT: sehen nichts.
Es ist ein Funktionsproblem, kein Strukturproblem.
Schwindel ohne Befund entsteht häufig durch den Nacken, insbesondere durch die oberen Halswirbel, die eine direkte Verbindung zu Augen und Gleichgewicht haben. Verspannungen, Fehlhaltung oder Stress können ein Gefühl von Unsicherheit, Schwanken oder Benommenheit erzeugen
2. Augen & visuelle Überlastung – der unterschätzte Megafaktor
Bildschirmarbeit verändert:
-
Augenmuskulatur
-
Pupillenreaktion
-
Tiefenwahrnehmung
-
Kopf-Hals-Koordination
Das Gehirn muss:
-
Nahsicht
-
Blaulicht
-
ständiges Umschalten
-
künstliche Beleuchtung
-
hohe Kontraste
ständig ausgleichen.
Wenn die Augen überlastet sind:
-
wirkt die Welt „unwirklich“
-
Bewegungen fühlen sich verzerrt an
-
Supermärkte & helle Räume werden unangenehm
-
Muster, Gänge, Menschen – alles „zu viel“
Schwindeltyp:
-
Benommenheit
-
Leichtschwindel
-
Derealisation
-
visuelle Bewegungsempfindlichkeit
Auslöser:
-
3–8 h Bildschirm
-
viel Smartphone
-
LED-Licht
-
Stress (Pupillenstress)
3. Innenohr ohne sichtbaren Schaden – Hypofunktion
Das Gleichgewichtsorgan kann funktionell geschwächt sein:
-
nach Infekten
-
nach Stress
-
nach Inaktivität
-
nach BPPV
-
nach „Nichts tun“ wegen Angst vor Schwindel
Das Ohr ist nicht kaputt – es ist unterfordert oder falsch kalibriert.
Symptome:
-
Schwankschwindel
-
unsicheres Gehen
-
Sehen beim Gehen „wackelt minimal“
-
Gefühl wie auf einem Schiff
4. Stress / Angst / Daueranspannung – der biologische Verstärker
Schwindel durch Angst ist KEIN eingebildeter Schwindel.
Stress aktiviert:
-
Sympathikus
-
Herzfrequenz
-
Muskelspannung
-
flache Atmung
-
veränderte Durchblutung
Dadurch entsteht:
-
Benommenheit
-
Wattegefühl
-
Unwirklichkeitsgefühl
-
„Neben sich stehen“
-
Tunnelblick
-
Schwankschwindel
Der Körper schaltet auf Überleben → Wahrnehmung verzerrt.
Ein großer Anteil entsteht durch Stress oder Angst. Dabei handelt es sich nicht um psychischen Schwindel, sondern um echte körperliche Veränderungen: flachere Atmung, Muskelspannung, ein überaktiver Sympathikus und veränderte Durchblutung im Gehirn. Diese Kombination führt zu Wattegefühl, Benommenheit und Unwirklichkeitsgefühlen.
5. Atmung – Hyperventilation light
Die häufigste Ursache, die Betroffene nie erkennen.
Hyperventilation light bedeutet:
-
zu viel Sauerstoff
-
zu wenig CO₂
-
Verschiebung des Blut-pH
-
veränderte Durchblutung im Gehirn
Ohne Panikattacke (!) entstehen:
-
Schwindel
-
Benommenheit
-
Druck im Kopf
-
Kribbeln
-
Wattegefühl
-
kurzzeitig verschwommenes Sehen
Trigger:
-
Stress
-
Grübeln
-
Büro
-
Handy
-
falsche Haltung
6. Herzfrequenzvariabilität & Rhythmus – funktionelle Dysregulation
Nicht gefährlich – aber spürbar.
Schwindel entsteht durch:
-
Stressherzfrequenz
-
unkoordinierte Herzratenanpassung
-
zu schneller Puls beim Aufstehen
-
zu starker Pulsabfall beim Hinsetzen
Viele Betroffene denken, das Herz sei krank – meist ist es das autonome Nervensystem.
7. Blutdruckschwankungen – niemand misst sie richtig
Klassisch:
-
im Sitzen normal
-
beim Aufstehen zu niedrig
-
im Stehen zu hoch
-
beim Bücken seltsam
Ergebnis:
-
Benommenheit
-
Schwarzwerden
-
Unwohlsein
-
Wattegefühl
-
„sofort hinsetzen müssen“
Viele Betroffene messen nur im Sitzen – falsch.
8. Hormone – Schilddrüse, Zyklus, Menopause
Hormone steuern:
-
Gefäße
-
Nervensystem
-
Herzschlag
-
Atmung
Besonders betroffen:
-
Frauen zwischen 18–55
-
Menopause
-
Schilddrüsenunter-/Überfunktion
-
PMS
-
Zyklusmitte
Schwindel entsteht durch minimale Veränderungen im vegetativen System.
Hormone sind eine weitere Quelle: Schilddrüse, Menopause, Zyklus oder Nebennieren beeinflussen direkt das Gleichgewicht zwischen Kreislauf und Nervensystem. Kleine hormonelle Veränderungen können große Wahrnehmungsverschiebungen auslösen.
9. Ernährung & Elektrolyte
Niedriger Blutzucker, zu wenig Salz, zu wenig Kalium/Magnesium verursachen:
-
Schwäche
-
Benommenheit
-
weiche Beine
-
Kreislaufinstabilität
-
verschwommenes Sehen
Häufig nach:
-
stressigem Tag
-
Diäten
-
zu viel Kaffee
-
wenig Schlaf
10. Postvirale Restdysfunktion & Long Covid light
Nach Infekten ist das Gleichgewichtssystem oft durcheinander:
-
Innenohr „reagiert langsamer“
-
Augen kompensieren
-
Nacken verkrampft
-
vegetatives Nervensystem überreizt
Symptome:
-
chronische Benommenheit
-
leichte Gangunsicherheit
-
fluktuierender Schwindel
-
Erschöpfung
11. Vestibuläre Migräne
Migräne ohne Kopfschmerzen.
Typisch:
-
Schwindelattacken
-
Benommenheit
-
Lichtempfindlichkeit
-
Geräuschüberempfindlichkeit
-
Druck im Kopf
-
Augenprobleme
Einer der häufigsten „unsichtbaren“ Schwindelursachen.
12. Kiefer (CMD)
Der Oberkiefer hat direkte nervale Verbindungen zu:
-
Gleichgewicht
-
Nacken
-
Augensteuerung
Kieferprobleme erzeugen:
-
Benommenheit
-
Druck im Gesicht
-
steifen Nacken
-
unruhige Augenbewegungen
-
Kopfschmerzen
Nachtpressen ist ein top Trigger.
Kieferprobleme wie CMD und muskuläre Triggerpunkte im Nacken und Brustbereich verstärken das Gleichgewichtssystem ebenfalls.
13. Triggerpunkte (Nacken/Schultern/Brust)
Triggerpunkte verändern:
-
die Kopfhaltung
-
die Durchblutung
-
die Spannung im Nacken
-
die Propriozeption
Sie können Schwindel eins-zu-eins reproduzieren.
14. Brustwirbelsäule – der versteckte Mechanismus
Ein blockierter BWS-Bereich verändert:
-
Atmung
-
Brustkorbbewegung
-
CO₂-Regulation
-
Nackenspannung
-
Gleichgewicht
Schwindel entsteht indirekt über die Atemmechanik.
15. Fehlhaltung – der Bildschirmkörper
Monate oder Jahre in Vorneigung:
-
Nacken überlastet
-
Zwerchfell eingeengt
-
Brustmuskulatur verkürzt
-
Atmung eingeschränkt
-
Augen überlastet
Ein perfekter Cocktail für Benommenheit.
Fehlhaltungen, z.B. bei viel Bildschirmarbeit, können auch Schwindelgefühle auslösen.
16. POTS / Dysautonomie
Autonomes Nervensystem reagiert über:
-
schneller Puls beim Aufstehen
-
niedriger Blutdruck
-
Benommenheit
-
Herzstolpern
-
Schwäche
Sehr häufig nach Infekten oder Stress.
17. Schlafmangel
Schlafmangel erzeugt:
-
verzerrte Wahrnehmung
-
Gleichgewichtsstörungen
-
Benommenheit
-
visuelle Unsicherheit
Der Körper wirkt wie „nicht synchronisiert“.
18. Medikamente & Absetzen
Häufig bei:
- Antidepressiva
- Betablockern
- Antihistaminika
- Benzodiazepinen
Das Absetzen von Medikamenten verändert die Neurochemie → Möglicher Schwindel.
19. Übertraining & Burnout
Erschöpfung = Nervensystem entgleist.
-
niedrige Energie
-
unsicherer Gang
-
Druck im Kopf
-
leichte Reizüberforderung
20. Sensibilisiertes Nervensystem
Wenn der Körper monatelang Schwindel erlebt, wird das Gehirn empfindlicher.
-
kleine Reize → große Reaktion
-
Angst verstärkt alles
-
Bewegungen wirken “anders”
-
Derealisation
-
Körpergefühl unklar
Das System ist nicht krank – übererregt.
Fazit
Schwindel ohne Befund ist KEIN „Einbildungsschwindel“. Er ist das Ergebnis einer Dysbalance zwischen Wahrnehmung, Körpersteuerung und Nervensystem. Die moderne Welt – Bildschirmarbeit, Stress, Angst, Schlafmangel, Inaktivität – ist ein perfekter Sturm für funktionellen Schwindel.
Der Schlüssel zur Lösung liegt darin, nicht nach dem kaputten Organ zu suchen, sondern zu verstehen, dass Schwindel ein Kommunikationsproblem ist: Das Gehirn erhält widersprüchliche Signale von Augen, Nacken, Gleichgewicht, Kreislauf und vegetativem System. Wenn eines dieser Systeme aus dem Takt gerät – oder mehrere gleichzeitig – entsteht das Gefühl von Unsicherheit, Schwanken, Benommenheit oder „neben sich stehen“.
Viele Betroffene geraten zusätzlich in Angst. Nicht, weil sie dramatisieren, sondern weil der Zustand beunruhigend ist. Doch Angst verstärkt genau die Mechanismen, die Schwindel erzeugen: Muskelspannung, Atmung, Herzfrequenz, Durchblutung. So entsteht ein Kreislauf, der den Zustand chronisch macht.
Die gute Nachricht: Die meisten Ursachen sind voll reversibel. Mit gezielten Übungen, Regulation des Nervensystems, Entspannung der Nacken- und Brustmuskulatur, Atemtraining, Augenkoordination und Stressreduktion lässt sich Schwindel ohne Befund fast immer verbessern – oft vollständig.
Schwindel ist keine Krankheit – sondern der Ausdruck eines überlasteten Systems, das wieder in Balance gebracht werden will.
Häufige Fragen zu Schwindel ohne organischen Befund
„Schwindel ohne Befund“ verunsichert viele Betroffene besonders stark.
Die gute Nachricht: Dass in MRT, CT oder Blutwerten nichts gefunden wird, ist kein schlechtes Zeichen,
sondern spricht häufig für funktionelle, gut behandelbare Ursachen.
Warum findet der Arzt nichts?
Fehlregulationen von Nervensystem, Muskulatur, Atmung oder Wahrnehmung
sind im MRT oder CT nicht sichtbar.
Ist Schwindel ohne Befund gefährlich?
und kein Hinweis auf Hirntumor, MS oder Schlaganfall.
Kann der Nacken Schwindel auslösen?
senden Fehlinformationen an das Gehirn,
was Benommenheit und Schwankschwindel auslösen kann.
Kann Angst Schwindel verursachen – auch ohne Panikattacken?
reicht aus, um Benommenheit, Schwanken und Derealisation
zu verursachen – auch ohne klassische Panikattacken.
Kann Schwindel chronisch werden?
Das bedeutet: Es reagiert überempfindlich auf eigentlich harmlose Reize.
Das ist unangenehm, aber umkehrbar.
Warum fühlt sich alles unwirklich an?
Es entsteht durch eine Überlastung des Nervensystems
und ist ein Schutzmechanismus, kein Zeichen von „Verrücktwerden“.
Sind die Augen ein Faktor beim Schwindel?
große Märkte oder unerkannte Fehlsichtigkeit
sind extrem häufige Trigger für Benommenheit.
Kann die Atmung Schwindel auslösen?
(„Hyperventilation light“) gehört zu den
häufigsten Ursachen bei Schwindel ohne Befund.
Welche Rolle spielt die Brustwirbelsäule?
Blockaden können indirekt Benommenheit und Unsicherheit verstärken.
Was hilft konkret gegen Benommenheit?
Nacken- und Haltungsarbeit,
regelmäßiger Bewegung und
Beruhigung des Nervensystems.
Kann CMD (Kieferprobleme) Schwindel machen?
CMD kann über Muskeln und Nervenbahnen
Benommenheit und Druckgefühle auslösen.
Ist POTS gefährlich?
Sehr unangenehm, aber nicht lebensbedrohlich.
Kann Long Covid Schwindel verursachen?
des Nervensystems und nicht um bleibende Organschäden.
Welche Tests bringen wirklich etwas?
ist meist deutlich hilfreicher als weitere Bildgebung.
Was ist Triggerpunkt-Schwindel?
Besonders häufig betroffen sind Nacken-, Schulter- und Kaumuskeln.
Kann Fehlsicht Schwindel machen?
kann dauerhaft visuelle Überforderung und Benommenheit verursachen.
Was ist vestibuläre Migräne?
betroffen ist – oft ohne klassische Kopfschmerzen.
Warum wird mir beim Einkaufen schwindelig?
Licht, Bewegung, Regale, Menschen – das überfordert ein sensibles Nervensystem.
Was hilft sofort bei Schwindel?
sowie eine kurze sensorische Entlastung
(ruhiger Blick, langsame Bewegungen).
Kann man Schwindel ohne Befund dauerhaft beseitigen?
wenn die funktionellen Ursachen erkannt
und systematisch angegangen werden.
