18. Januar 2026 Philipp Markus Wiedmaier Lesezeit: 11 Minuten

Warum fühlen sich so viele Menschen „benommen“, „neben sich“, „unwirklich“ – obwohl MRT, CT und Blutwerte unauffällig sind?

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Kurzantwort:

Weil Benommenheit und Derealisation keine strukturelle Krankheit, sondern eine Neuro-Funktionsstörung sind. Das Gehirn schaltet in einen speziellen Schutzmodus, wenn Stress, Wahrnehmung, Nacken, Augen, Gleichgewicht oder Kreislauf überlastet sind.

In diesem Zustand wirkt die Welt:

  • unwirklich
  • gedämpft
  • entfernt
  • verlangsamt
  • „wie hinter Glas“
  • „als wäre man nicht richtig da“

Und genau deshalb finden Ärzte nichts im MRT — denn dort sucht man nach Schäden, nicht nach funktionellen Überlastungen.

Zusammenfassung:

  • Benommenheit entsteht durch Fehlabgleich zwischen Nacken, Augen, Gleichgewicht und Gehirnverarbeitung.
  • Derealisation ist ein Schutzmodus des Nervensystems bei Überlastung.
  • Angst & Stress verstärken die Wahrnehmung massiv.
  • Nacken & Augen sind zentrale Treiber.
  • Atmung formt die Wahrnehmung (Hyperventilation light = Top-Ursache).
  • Der Zustand ist extrem unangenehm, aber nicht gefährlich.
  • Das Nervensystem lässt sich regulieren – vollständig reversibel.
  • Benommenheit ist KEIN Drehschwindel.
  • Derealisation = „Entkopplung“ von Wahrnehmungssystemen.
  • Nervensystem nutzt Schutzmechanismen wie „Dissoziation light“.
  • Wahrnehmung ist plastisch, nicht statisch.
  • Körpergefühl & Außenweltgefühl stehen in Wechselwirkung.
  • Augen & Nacken modulieren Raumgefühl.
  • Angst verschärft Symptome, verursacht sie aber nicht alleine.
  • Funktionelle Symptome sind real — nicht eingebildet.
Benommenheit & Derealisation Schwindelhelfer

Was ist Benommenheit?

Benommenheit ist kein klassischer Schwindel, sondern ein Wahrnehmungsphänomen.
Man fühlt sich:

  • matschig

  • verlangsamt

  • innerlich „schwieriger“

  • gedämpft

  • unklar

  • unpräzise

  • wie in Watte

  • körperlich fremd

Die Welt wirkt nicht falsch – sie wirkt falsch wahrgenommen.

Benommenheit entsteht, wenn das Gehirn Reize nicht sauber verarbeitet:

  • visuelle Reize

  • Gleichgewicht

  • Körperwahrnehmung

  • Kreislauf

  • Atmung

Das Gehirn reagiert dann wie ein Smartphone im Energiesparmodus:
Es fährt nicht herunter – aber es verringert die Verarbeitung.

Was ist Derealisation?

Derealisation ist ein spezieller Schutzmodus des Gehirns.

Es ist KEINE psychische Erkrankung.
Es ist KEIN Realitätsverlust.
Es ist KEINE Psychose.
Es ist KEIN „Ich werde verrückt“.

Derealisation ist ein natürlicher Überlebensmechanismus, der ausgelöst wird, wenn:

  • Stress → zu hoch

  • Überreizung → zu stark

  • Angst → zu intensiv

  • Schlaf → zu wenig

  • Nacken/Atmung → überlastet

  • Gleichgewicht → irritiert

Das Gehirn entkoppelt die emotionale „Färbung“ der Umgebung.
Die Welt wirkt echt – aber fern, flach, nicht „verbunden“.

Beschreibungen:

  • „wie hinter einer Glasscheibe“

  • „wie in einem Videospiel“

  • „als wäre ich nicht richtig da“

  • „mein Körper fühlt sich fremd an“

  • „alles wirkt gedämpft“

Es ist ein Hyper-Fokus auf Sicherheit.
Ein Notfallmodus – aber kein dauerhafter.

Wie entstehen Benommenheit & Derealisation physiologisch?

Es sind fünf große Mechanismen:

1) Überladung des Wahrnehmungssystems

Das Gehirn muss jede Sekunde:

  • Balance

  • visuelle Eindrücke

  • Körperwahrnehmung

  • Kreislauf

  • Atmung

  • Geräusche

  • Bewegungen

synchronisieren.

Wenn etwas „aus dem Takt“ gerät – Augen, Nacken, Gleichgewicht, Kreislauf – entsteht ein „Mismatch“.
Dann reagiert das Gehirn mit:

  • Unsicherheit → Benommenheit

  • Schutzmodus → Derealisation

2) Stress- und Angstsystem überaktiv

Stress aktiviert den Sympathikus.

Folgen:

  • Atmung wird flach

  • CO₂ sinkt

  • Blutfluss im Gehirn ändert sich

  • Wahrnehmung wird enger

  • Körper fühlt sich „seltsam“ an

  • Umgebung wirkt distanzierter

Derealisation ist biologisch logisch:
Das Gehirn will Energie sparen, Klarheit gewinnen und Gefahren scannen.

3) Atmung – unterschätzte Hauptursache

Hyperventilation light ist DER Fokuspunkt.

Nicht dramatisch.
Nicht Panik.
Sondern „zu viel Atmen bei zu wenig Bedarf“.

Folgen:

  • CO₂ sinkt

  • Gefäße im Gehirn verengen sich

  • Gehirnaktivität verändert sich

  • Benommenheit entsteht

  • Derealisation als Schutzmodus

4) Nacken & HWS

Der Nacken ist ein Wahrnehmungsorgan.

Verspannungen → Fehlinformationen → Wahrnehmungsverzerrung → Benommenheit → Derealisation.

5) Ermüdung des Gehirns

Wenig Schlaf, dauerhafte Reizüberflutung und viel Bildschirmarbeit bringen das Gehirn in einen „Low-Mode“.

Warum fühlt sich alles „unwirklich“ an?

Weil das Gehirn:

  • Wahrnehmung reduziert

  • Emotionale Tiefe dämpft

  • Aufmerksamkeit auf „Überleben“ richtet

  • Reize nicht mehr zu 100 % verarbeitet

Die Welt erscheint nicht falsch – sondern weniger „präsent“.

Die 12 häufigsten Auslöser von Benommenheit & Derealisation

  1. chronischer Stress

  2. Ängste (auch unterschwellig)

  3. Schlafmangel

  4. Nackenspannungen

  5. Augenüberlastung

  6. Gleichgewichtsmismatch

  7. Hyperventilation light

  8. Hormonschwankungen

  9. Erschöpfung

  10. Triggerpunkte

  11. Reizüberflutung (Supermarkt, Bildschirm)

  12. Post-Viral

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Fazit

Benommenheit und Derealisation gehören zu den unangenehmsten Zuständen, die der Mensch erleben kann. Sie wirken tief, sie wirken bedrohlich, sie wirken existenziell – aber in 99 % aller Fälle sind sie nicht gefährlich, nicht irreversibel und nicht Ausdruck einer ernsthaften Erkrankung.

Es ist ein Zustand der Überlastung des Wahrnehmungssystems. Das Gehirn versucht, dich zu schützen. Es fährt die Intensität der Wahrnehmung herunter, es reduziert die gefühlte Verbundenheit zur Außenwelt, es verschiebt Prioritäten vom emotionalen Erleben zum Überleben.

Benommenheit ist ein Wahrnehmungsfehler.
Derealisation ist ein Schutzmechanismus.

Beides ist unangenehm. Aber beides ist reversibel.

Die gute Nachricht ist:
Dieser Zustand bleibt nicht für immer. Der Körper möchte zurück zur Normalität. Das Gehirn sehnt sich nach Balance. Und sobald Stress sinkt, Atmung reguliert wird, Nacken entspannt ist, Augen entlastet sind und das autonome Nervensystem beruhigt wird, kehrt die volle Wahrnehmung zurück.

Die Welt wirkt wieder echt.
Klar.
Verbunden.
Vertraut.

Benommenheit und Derealisation sind ein Signal – kein Defekt.
Ein Zustand – keine Identität.
Eine Phase – kein Dauerzustand.

Mit Verständnis, Geduld und den richtigen Schritten ist vollständige Genesung möglich.

Häufige Fragen zu Benommenheit & Derealisation

Benommenheit und Derealisation gehören zu den häufigsten und zugleich beängstigendsten
Schwindel-Symptomen – obwohl sie medizinisch nicht gefährlich sind.
Die folgenden Fragen helfen dir, die Mechanismen zu verstehen und einzuordnen.

Ist Derealisation gefährlich?
Nein. Derealisation ist kein Schaden, sondern ein Schutzmodus des Nervensystems
bei Überlastung.
Kann Benommenheit Monate dauern?
Ja. Sie kann über Monate bestehen bleiben – ist aber vollständig reversibel,
sobald das Nervensystem wieder reguliert wird.
Ist das psychisch?
Nein. Es ist funktionell. Die Wahrnehmungsverarbeitung ist verändert,
nicht die Psyche im Sinne einer Erkrankung.
Kann der Nacken Derealisation auslösen?
Ja. Über Muskelspannung, Propriozeption und visuelle Verarbeitung
kann der Nacken indirekt Derealisation begünstigen.
Ist das vergleichbar mit einer Psychose?
Nein. Menschen mit Derealisation haben volle Realitätsprüfung
und wissen, dass ihr Empfinden nicht „normal“ ist.
Warum wirkt die Welt fremd oder unwirklich?
Weil das Gehirn bei Überlastung die emotionale Bewertung
und Detailverarbeitung herunterfährt.
Hängt Derealisation mit Angst zusammen?
Häufig ja – aber sie kann auch ohne bewusste Angst auftreten.
Kann Überlastung der Auslöser sein?
Ja. Mentale, emotionale oder sensorische Überlastung
ist ein sehr typischer Auslöser.
Kann Atmung so etwas verursachen?
Ja. Eine chronische, oft unbemerkte Hyperventilation („Hyperventilation light“)
ist eine der Hauptursachen.
Kann es ganz plötzlich auftreten?
Ja. Besonders bei Stressspitzen oder Erschöpfung
kann es schlagartig einsetzen.
Kann Bildschirmarbeit das auslösen?
Ja. Intensive Bildschirmarbeit führt häufig zu visueller Überlastung,
Nackenanspannung und Benommenheit.
Hängt das mit dem Kreislauf zusammen?
Oft ja. Blutdruckschwankungen und autonome Dysregulation
können Benommenheit verstärken.
Können Hormone eine Rolle spielen?
Ja. Hormonelle Schwankungen, insbesondere bei Frauen,
können Benommenheit und Derealisation begünstigen.
Ist Derealisation dauerhaft?
Nein. Sie ist immer reversibel – auch wenn sie sich sehr hartnäckig anfühlen kann.
Wann verschwindet sie?
Wenn das Nervensystem wieder in einen regulierten Zustand kommt
und aus dem Dauerstress herausfindet.
Kann Sport helfen?
In den meisten Fällen ja. Moderate Bewegung stabilisiert
Atmung, Kreislauf und Nervensystem.
Kann Schlafmangel das verursachen?
Sehr häufig. Schlafmangel ist ein starker Stressor
für das Nervensystem.
Sollte ich in die Notaufnahme?
Nur bei echten neurologischen Ausfällen
wie Lähmungen, Sprachstörungen oder Bewusstseinsverlust.
Ist das eine Form von Dissoziation?
Ja, eine milde, nicht-pathologische Form –
kein Zeichen einer schweren psychischen Erkrankung.
Kommt Benommenheit oder Derealisation wieder?
Unter Stress ja – aber mit Verständnis, Training
und Regulation meist seltener und schwächer.

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Philipp Markus Wiedmaier

Zuletzt aktualisiert am 16.01.2026

Autor: Philipp Markus Wiedmaier

Philipp Markus Wiedmaier ist der Gründer von Schwindelhelfer.de und selbst langjährig betroffen von Benommenheitsschwindel (auch bekannt als PPPD). Seit 2018 schreibt er über Symptome, Ursachen und Selbsthilfemethoden.

Sein Buch: Schwindel Helfer – Gemeinsam Schwindelfrei (ISBN: 978-1793479242).

Hinweis: Philipp ist kein Arzt. Die Inhalte beruhen auf eigenen Erfahrungen und ersetzen keine medizinische oder therapeutische Beratung.